Garantiezins vor dem aus?

Bei den Lebensversicherern herrscht gegenwärtig eine eher gedrückte Stimmung. Eines ihrer Produkte, die Kapital Lebensversicherung, ist wegen sinkender Renditen in die Kritik geraten.

Und manche Versicherungsgesellschaften scheinen nicht zu wissen, wie sie den durch Rechtsvorschrift festgesetzten Garantiezins für Neuabschlüsse im Jahr 2012 erwirtschaften sollen.

Schuld an den Schwierigkeiten hat die Finanzkrise mit der dadurch verursachten Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank.

 

Garantiezins als Mindestrendite

Während andere Gewinnanteile wie Überschussbeteiligungen, Anteile an stillen Reserven oder Schlussboni von der Marktentwicklung abhängen, wird der Garantiezins fest vereinbart.

Er stellt die Mindestrendite einer Lebensversicherung dar und bleibt über die gesamte Laufzeit eines Versicherungsvertrages unverändert.

Die Garantieverzinsung wird per Rechtsvorschrift für jedes Jahr gesondert festgesetzt und gilt dann für alle Neuabschlüsse des entsprechenden Jahres.

Er lehnt sich an den durchschnittlichen Zinssatz aller länger laufenden Rentenpapiere in der Eurozone an. Im Jahr 2012 beträgt die Garantieverzinsung gerade noch 1,75 %, im Jahr 2011 waren es 2,25 %.

Selbst diese geringen Zinssätze, geschweige denn die höheren Garantiezinsen vorheriger Jahre, lassen sich für deutsche Lebensversicherungen am Kapitalmarkt offenbar nur noch sehr schwer realisieren. So betrug Ende 2011 die Durchschnittsverzinsung langlaufender Rentenpapiere in der Eurozone nur noch 1,6 %.

Das Beispiel macht die Klemme deutlich, in der deutsche Lebensversicherer stecken. Anders als englische Versicherungsgesellschaften setzen sie auf Sicherheit und investieren ihre Kundengelder ganz überwiegend in festverzinsliche Papiere. Der Aktienanteil erreicht lange nicht die gesetzlich zulässige Marge von 30 %, sondern er liegt bei 5 % des angelegten Kapitals.

Wird der Garantiezins nicht erwirtschaftet, müssen die Versicherungsgesellschaften Kapital nachschießen. Erschwerend kommt hinzu, dass Kapitallebensversicherungen zunehmend der privaten Altersvorsorge dienen.

Das bedeutet lange Ansparphasen und lange Auszahlungsphasen. Die Versicherungsgesellschaften müssen für solche Verträge entsprechend den Regeln von Solvency II erhebliche Mengen an Kapital vorhalten.

Klar, dass die Lebensversicherer bei dieser Sachlage mit Vorschlägen zur Veränderung klassischer Kapitallebensversicherungsverträge kommen.

 

Flexibler Garantiezins in der Diskussion

Die Vertreter mancher Lebensversicherer sehen in einem flexiblen Garantiezins die Lösung ihrer Probleme. Eine flexible Garantieverzinsung würde bedeuten, dass die Mindestverzinsung nicht mehr für die gesamte Ansparphase fest vereinbart wird.

Im Gespräch ist eine zeitliche Befristung mit der Möglichkeit, den Garantiezins alle paar Jahre an die Marktentwicklung anzupassen.

Außerdem wird eine Kopplung des Garantiezinses an die Inflationsrate vorgeschlagen. Das allerdings würde gegenwärtig eine Verzinsung von ca. 2,2 % bedeuten.

Andere Vorschläge laufen darauf hinaus, den Betrag aus der Garantieverzinsung auf einen bestimmten Überschuss zum Laufzeitende zu begrenzen.

 

Garantieverzinsung gesetzlich geregelt

Ob diese Vorschläge allerdings Wirklichkeit werden, ist mehr als fraglich. Erforderlich wäre eine Änderung der Rechtsvorschriften über die Garantieverzinsung. Im Augenblick gibt es wenig Anhaltspunkte dafür, dass der Gesetzgeber solche Veränderungen in Erwägung zieht.

Natürlich würden flexible Garantiezinsen die Lebensversicherer entlasten. Aber gleichzeitig bedeuteten sie wahrscheinlich das Ende klassischer Kapitallebensversicherungen.

Kunden schließen Kapitallebensversicherungen nicht zuletzt wegen der im Voraus garantierten jährlichen Verzinsung ab. Entfällt diese Sicherheit, besteht kein Grund, sein Kapital in Lebensversicherungen anzulegen.

Eine Direktanlage in Rentenpapiere und andere Finanzprodukte wäre ebenso sicher, und es entfielen die hohen Abschlussprovisionen und Verwaltungskosten, die mit Kapitallebensversicherungen zusätzlich verbunden sind.

  • 19. November 2011