Garantiezinssenkung: Kapitalleben ohne Zukunft?

Wieder einmal sind Kapitallebensversicherungen in negative Schlagzeilen geraten.

Der Grund ist eine Empfehlung der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV). Es wird vorgeschlagen, den Garantiezins ab 1. Januar 2015 auf 1,25 % abzusenken.

Allerdings handelt es sich um einen vorläufigen Vorschlag, der im Laufe des Jahres noch überarbeitet werden kann.

Aus dem Vorschlag ist unterdessen Realität geworden.

Bis 2016 beträgt der Höchstrechnungszins 1,25 Prozent. Ab 2017 soll er sogar auf 0,9 Prozent abgesenkt werden.

Doch ist die herbe Kritik in vielen Presseorganen und von vielen, manchmal selbsternannten, Fachleuten berechtigt? Die Meinungen gehen auseinander.

Während die Kapitallebensversicherung von einigen für tot erklärt wird, halten andere wie Vertreter des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft (GDV) Riester-Rente und Kapitallebensversicherung trotz niedriger Garantiezinsen für ein konkurrenzlos günstiges Produkt zur Altersvorsorge.

 

Rendite und Ablaufleistung entscheidend

 

Zu Recht weist der GDV darauf hin, dass der Garantiezins nur eine Komponente der Rendite darstellt.

Selbst wenn der Höchstrechnungszins sinkt, muss das rein theoretisch nicht bedeuten, dass die Ablaufleistung gleichfalls sinkt.

Denn die Ablaufleistung, also die zu erwartende Rentenleistung, setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen.

Dazu gehören laufende Überschüsse, Direktgutschriften, Zinsüberschussbeteiligungen und vor allem die besonders attraktiven Schlussüberschüsse.

Die Ratingagentur Assekurata hat Aussagen zur durchschnittlichen Gesamtverzinsung gemacht.

Danach beträgt die laufende Verzinsung aktuell noch 3,4 %, während die Gesamtverzinsung 2013 4,2 % ausmachte.

Angesichts des niedrigen Zinsniveaus bei Tagesgeld- und Festgeldzinsen um ein Prozent können sich diese Zahlen immer noch sehen lassen.

Lebensversicherungen sind danach also besser als ihr Ruf. Nicht ganz klar ist jedoch, worauf sie sich beziehen, auf den Gesamtbeitrag oder nur auf den Sparbeitrag.

Bei der Beurteilung von Kapitallebensversicherungen als Anlageform darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass viele Lebensversicherer die Überschussbeteiligungen gesenkt bzw. für 2014 Kürzungen angekündigt haben.

Solche Kürzungen wirken sich natürlich negativ auf die Rendite aus.

 

Kritik übertrieben und teilweise unseriös

 

Dennoch sind Kapitallebensversicherungen und Produkte der Riesterrente kein Auslaufmodell, wie manche Finanzexperten der Öffentlichkeit weismachen wollen.

Anleger sollten sich durch die übertriebene Kritik nicht verunsichern lassen schon gar nicht, wenn sie vor Jahren einen Vertrag über eine Kapitallebensversicherung abgeschlossen haben, also eine Police über einen Altvertrag besitzen.

Was von übertriebener Kritik zu halten ist, zeigt ein Blick auf die angebotenen Alternativen.

Welche Geldanlage bringt gegenwärtig mehr Rendite und, besonders wichtig für Privatanleger, mit derselben Sicherheit für das eingesetzte Kapital? Die Antwort ist: kein Finanzprodukt.

Sparverträge, Festgeld, Tagesgeld und andere festverzinsliche Anlagen leiden genauso oder noch mehr unter der anhaltenden Niedrigzinspolitik.

Empfohlene Alternativen wie alle möglichen dubiosen Zertifikate haben ein hohes Risiko und die Renditeerwartungen sind extrem unsicher.

Mit einem Immobilienerwerb lässt sich eine Rendite nur erwirtschaften, wenn sie vermietet wird.

Aber das ist nicht einfach, und wer kann eine Immobilie schon „Cash“ bezahlen? Mit Ersparnisse bei eigengenutzten Immobilien müssen in der Regel Kreditkosten gegengerechnet werden.

Am ehesten eignen sich noch Aktien. Allerdings sind teure Aktienfonds nicht zu empfehlen. Besser geeignet sind Indexfonds.

Doch solche Geldanlagen gehören einer höheren Risikoklasse an. Erforderlich ist ein sehr langfristiger Anlagehorizont, damit Kurseinbrüche ausgesessen werden können.

Lebensversicherungen waren nie Finanzprodukte mit den besten Renditen, auch nicht in Zeiten hoher Garantiezinsen.

Wer die Zeit und das Fachwissen sowie die Risikobereitschaft hat, die Geldanlage für seine Altersvorsorge selbst auszuwählen, für den sind Kapitallebensversicherungen nicht das beste Produkt.

Empfehlenswert ist dann eine Kapitalanlage in Aktien oder eine Mischinvestition in Wertpapiere und andere Geldanlagen unterschiedlicher Risikoklassen.

Für viele Privatanleger hingegen ist eine Riester-Rente oder eine Kapitallebensversicherung eine sichere Geldanlage mit akzeptabler Rendite. Daran ändert die mögliche Absenkung des Garantiezinses zunächst nichts.

 

Jetzt Kapitallebensversicherungen abschließen?

 

Es ist auch nicht der niedrige Garantiezins, der den Kapitallebensversicherungen zu schaffen macht bzw. zu einer Verminderung der Rendite führen kann.

Vielmehr ist das Problem der Versicherungsgesellschaften das anhaltende Niedrigzinsniveau.

Einfach ausgedrückt, den Lebensversicherern fehlt es an attraktiven Geldanlagen die der Anlagephilosophie deutscher Versicherungsgesellschaften (extrem geringer Aktienanteil) entspricht.

Sollte trotzdem ein neuer Lebensversicherungsvertrag abgeschlossen werden? Das muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden.

Eine höhere Rendite lässt sich theoretisch nur mit der Investition in werthaltige Aktien erzielen.

Doch wegen des billigen Geldes ist viel Kapital in die Aktienmärkte geflossen.

Viele Analysten glauben deshalb zu Recht, dass die Aktienmärkte gegenwärtig überbewertet sind. Ein Rückgang der Kurse ist jedenfalls mittelfristig nicht unwahrscheinlich.

Wer heute in Aktien investiert, muss auf einen deutlichen Rückgang der Kurse gefasst sein. Es kann also dauern, bevor nachhaltig überdurchschnittliche Renditen erwirtschaftet werden können.

Eine andere Möglichkeit ist das Parken von Kapital in Spareinlagen, Festgeld oder Tagesgeld und ähnlichen kurzfristig abrufbaren Geldanlagen mit Renditen, die wenigstens den Inflationsverlust (teilweise) ausgleichen.

Für Anleger, die erst kürzlich in das Berufsleben eingestiegen sind, ist das sicher eine überlegenswerte Alternative.

 

Bestehende Lebensversicherungen halten?

 

Wer eine Kapitallebensversicherung hat, sollte sich durch überzogene Kritik nicht verunsichern lassen und den Vertrag nach Möglichkeit zu Ende führen.

Altverträge erwirtschaften nach wie vor eine ordentliche Rendite.

Vergessen werden sollte auch nicht, dass sich Lebensversicherungen erst richtig lohnen, wenn von den Schlussüberschüssen profitiert wird.

Die vorzeitige Kündigung ist wegen der geringen Rückkaufswerte die schlechteste Lösung; ein Verkauf auf dem Zweitmarkt zweitschlechteste.

Soll in eine Kapitallebensversicherung nicht mehr eingezahlt werden, aus welchen Gründen auch immer, ist gegenwärtig eine Beitragsfreistellung von den schlechten noch die beste Lösung.

  • Updated 22. Dezember 2017