Kapitalleben beliebtes Sparprodukt

Totgesagte leben länger. Dieses etwas makaber klingende Sprichwort trifft in besonderer Weise auf Kapitallebensversicherungen und einige Rentenversicherungsprodukte zu.

Über ein Drittel der Deutschen sparen auf Kapitallebensversicherungen oder Rentenversicherungen wie die Riesterrente.

Einer Umfrage der TNS Infratest im Auftrag des Verbandes der privaten Bausparkassen zufolge setzen 37 % der Befragten auf diese Finanzprodukte. Immerhin 23 % verfügen über Riester-Verträge.

Diese Treue erscheint ungewöhnlich, bedenkt man die negativen Schlagzeilen und die teilweise verheerenden Analystenkommentare zu beiden Anlageformen.

Aber offenbar entscheidet nicht die Höhe der zu erwartenden Rendite das Anlegerverhalten, sondern die Sicherheit der Investition.

Und eines ist trotz aller Kritik richtig: Im Vergleich zu Sparprodukten gleicher Risikostufe lohnt sich selbst der Neuabschluss einer Kapitallebensversicherung, trotz historisch niedriger Garantiezinsen.

 

Kapitalleben & Riester unter Dauerbeschuss

Besonders im letzten Jahr häuften sich negativen Meldungen über diese beiden beliebten Anlageformen.

Dabei ging es nicht nur um magere Renditen.

Die Versicherungswirtschaft selbst hat für Unsicherheiten gesorgt mit Diskussionen über eine grundlegende Strukturänderung bei den Lebensversicherungen.

Riesterrente

Kritisiert wird häufig die Unübersichtlichkeit des Produktangebots.

Auch die staatlichen Förderungsmaßnahmen mithilfe von Steuererleichterungen werden als undurchsichtig und nur schwer verständlich empfunden.

Hinzu kommt der Verdacht der Übervorteilung der Sparer.

Berichtet wird über in ihrer Höhe kaum nachvollziehbare Kosten und über Kalkulationen der Lebenserwartung zulasten der Anleger.

Lebensversicherungen

Hohe Kosten und historisch niedrige Garantiezinsen als Folge der Finanzkrise belasten die Lebensversicherungen.

Viele sprechen sogar von einer Krise bei Kapitallebensversicherungen, und es scheint richtig zu sein, dass einige Versicherungsgesellschaften sich am liebsten vom Geschäft mit Lebensversicherungen trennen möchten.

Doch manche Lebensversicherer haben sich diese prekäre Situation durch phantasielose Anlagestrategien selbst zuzuschreiben.

Gerade die auf Sicherheit bedachte Anlagestrategie deutscher Versicherer hat sie für die Finanzkrise besonders anfällig gemacht.

Investiert wird ganz überwiegend in Rentenpapiere, der gesetzlich zugelassene Aktienanteil von 30 % wird in vielen Fällen bei weitem nicht ausgeschöpft.

Die Folge: Die Portfolios leiden unter dem Einbruch der Renditen in festverzinsliche Produkte besonders heftig.

Darüber hinaus verunsichern Diskussionen über Bewertungsreserven und Garantiezinsen die Anleger.

Veränderungen bei den Bewertungsreserven scheinen im Moment vom Tisch, nachdem der Bundesrat entsprechende Gesetzesvorlagen abgelehnt hat.

Über den Garantiezins wird aber weiter kräftig spekuliert.

Einige Lebensversicherer bieten ab Sommer Verträge an, die nur noch für die Ansparphasen Garantiezinsen als Mindestrendite vorsehen. Für die Leistungsphase soll es hingegen keine Garantien mehr geben.

 

Lebensversicherungen werden überleben

Kapitallebensversicherungen und Riesterrente werden in Deutschland die Niedrigzinsphase und schlechte Berichterstattungen sehr wahrscheinlich unbeschadet überdauern.

Ein Grund liegt im Anlegerverhalten der deutschen Sparer. Alle Umfragen zeigen das deutsche Anleger auf Nummer sicher gehen.

Dabei verzichten sie sogar auf Renditen, die hoch genug sind, um einen Inflationsausgleich zu gewährleisten.

Viele lassen ihr Geld einfach auf dem Girokonto liegen und trotz unverschämt geringer Zinsen bringen 55 % der Anleger ihr Geld aufs Sparbuch.

Deswegen verfehlen die Kritiken in der Fachpresse offenbar weitgehend ihr Ziel. Meistens werden als Alternativen Produkte in einer deutlich höheren Risikoklasse empfohlen. Beim deutschen Anleger geht aber Sicherheit vor Rendite.

Darüber hinaus sind auch gegenwärtig viele Lebensversicherungen nicht so schlecht wie sie schlecht gemacht werden.

Zwar sind Kosten und Maklergebühren hoch. Aber dennoch ist die Rendite selbst bei Neuabschlüssen gegenüber vergleichbaren Finanzprodukten wettbewerbsfähig.

Geldanlagen in Kapitallebensversicherungen sind vollständig sicher.

Gewährleistet wird dies durch einen gesetzlich vorgeschriebenen Sicherungsfonds (Protektor Lebensversicherungs-AG). Grob beschrieben übernimmt der Fonds die Verträge, wenn ein Versicherer insolvent wird.

Riester-Rente und Kapitallebensversicherungen sind schließlich deshalb beliebt, weil die Mindestrendite, der Garantiezins, von vornherein feststeht.

Weniger Rendite ist in der Auszahlungsphase also nicht möglich. Wirtschaftet die Versicherungsgesellschaft gut, kann es aber eine höhere Rendite geben, als bei Vertragsschluss angenommen.

Diese Garantie soll es jedoch in der Zukunft bei einigen Produkten nicht mehr geben. Einige Versicherer wollen Verträge ohne Zusagen für die Auszahlungsphase anbieten.

Damit fällt ein Merkmal weg, welches Kapitallebensversicherungen in Deutschland beliebt gemacht hat: die garantierte Mindestrendite.

Deshalb ist es gar nicht so wahrscheinlich, dass sich diese neun Typen von Rentenversicherungen und Kapitallebensversicherungen tatsächlich durchsetzen.

  • Updated 22. Dezember 2017