Kapitalleben: Stornoquote sinkt

Nach Berechnungen der Versicherungswirtschaft ist die Stornoquote bei Kapitallebensversicherungen im Jahr 2012 erneut leicht gefallen.

Lebensversicherer sehen darin ein positives Signal für die Qualität ihrer Produkte.

Viele Verbraucher hielten Kapitallebensversicherungen und mit kapitalbildenden Versicherungen unterlegte Rentenprodukte trotz aller negativen Schlagzeilen für eine sichere und lohnende Altersvorsorge.

Kritiker hingegen wenden ein, dass das Stornovolumen im Gegensatz zur Stornoquote 2012 einen besonders hohen Wert erreicht hat.

Dies sei ein Hinweis auf eher geringe Zufriedenheit der Kunden.

 

Was ist eine Stornoquote bei Lebensversicherungen?

Die Stornoquote gibt das Verhältnis vorzeitig abgehender Beiträge zum Gesamtbestand an.

Die Berechnung wird unterschiedlich gehandhabt, je nach Definition des Gesamtbestandes.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft setzt die vorzeitigen Abgänge von Versicherungsbeiträgen und den mittleren laufenden Jahresbeitrag in ein Verhältnis.

Dabei wird nicht auf die Summe sondern auf einzelne Verträge Bezug genommen.

Eine andere Möglichkeit ist die Bezugnahme auf die mittlere Bestandssumme eines Geschäftsjahres.

Diese Berechnungsmethode gibt das Verhältnis zweier Summen zueinander an: die mittlere Bestandssumme einerseits und die Summe der stornierten Beiträge andererseits.

Berücksichtigt werden nicht nur Kündigungen sondern auch Beitragsfreistellungen und andere vorzeitige Beendigungen der Prämienzahlungen.

 

Was bedeutet Stornovolumen?

Das Stornovolumen gibt die Summe der in einem Geschäftsjahr von den Lebensversicherungen vorzeitig zurückgezahlten Beträge (Rückkaufswerte) an.

Diese Summe ist gegenüber 2011 leicht gestiegen und beträgt 14,4 Milliarden Euro im Jahr 2012.

Im Jahr 2000 belief sich das Stornovolumen hingegen nur auf 9 Milliarden Euro.

 

Geringe Stornoquote – hohe Kundenzufriedenheit?

Gegenüber 2011 ist die Stornoquote bei Kapitallebensversicherungen nach beiden Berechnungsmethoden leicht gesunken.

Nach der Methode des GDV fiel die Stornoquote um 0,1 % auf 3,48 %.

Die Versicherungswirtschaft sieht in dieser Entwicklung einen Beleg für die Attraktivität der Anlageform Kapitallebensversicherung.

Trotz niedrigen Zinsniveaus und negativer Schlagzeilen in der Presse bleibe der Anleger dieser Form der Altersvorsorge treu.

Sicherheit und Stabilität seien die Kennzeichen, die Kapitallebensversicherungen gegenüber anderen Produkten hervorheben.

Dass die Stornoquote in den letzten Jahren relativ stabil geblieben sei, belege zusätzlich das besondere Vertrauen der Anleger in Lebensversicherungen.

Andere Statistiken wie der „MAP – Report“ halten jährliche Einzelwerte hingegen für wenig aussagefähig. Vielmehr müssten langfristige Durchschnittswerte über fünf bis zehn Jahre hinweg herangezogen werden.

Nach dieser Methode, die die langfristigen Durchschnittswerte der gesamten Beitragssummen im Verhältnis zu den stornierten Summen errechnet, liegt die Stornoquote über 4 %, also deutlich höher als nach der Berechnungsmethode des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft.

Kritiker weisen darauf hin, dass die Stornoquote wenig aussagefähig sei, um die Zufriedenheit der Kunden mit der Rendite von Kapitallebensversicherungen abzuschätzen.

Das gelte umso mehr, weil das Stornovolumen bei ca. 90 Millionen Verträge über Kapitallebensversicherungen auf 14,4 Milliarden € im Jahr 2012 angestiegen sei.

Nach Auffassung der Kritiker ist die niedrige Stornoquote eher Ausdruck der Sparfalle, in die die Anleger seit Beginn der Niedrigzinsphase geraten.

Die Versicherten blieben der Lebensversicherung treu, nicht weil sie mit der Rendite zufrieden seien, sondern weil es keine alternative Anlageform gleicher Risikoklasse gebe.

 

Stornoquote als Qualitätsmerkmal

Ob durch die Verhältnisse auf dem Anlagemarkt erzwungene Treue oder Treue aus Überzeugung, die Stornoquote eignet sich eher für interne Beurteilungen als zur Feststellung der Anlegerzufriedenheit mit der Rendite.

In Verbindung mit den Verkaufszahlen ist die Stornoquote das wichtigste Kriterium zur Beurteilung der Qualität des Vertriebssystems einer Versicherungsgesellschaft.

Kunden, die fair und umfassend beraten wurden, wissen, worauf sie sich eingelassen haben und werden ihre Kapitallebensversicherung aus Enttäuschung über die Rendite eher nicht kündigen.

Die Stornoquoten der Lebensversicherer unterscheiden sich drastisch. Sie reichen von 2 % bis ca. 25 %.

Wer auf eine faire Beratung, Kundenorientiertheit und solide Produkte Wert legt, dem ist zu empfehlen, sich vor Vertragsabschluss über die Stornoquote der ausgewählten Versicherungsgesellschaft zu informieren.

 

Kapitallebensversicherung stornieren oder verkaufen?

Die vorzeitige Beendigung einer Lebensversicherung ist unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht zu empfehlen.

Geringe Rückkaufswerte und der Mangel an renditestarken Alternativen führen gegenwärtig zu Vermögensverlusten.

Am ehesten empfiehlt es sich noch, eine Kapitallebensversicherung nicht aufzulösen, sondern durch eine Beitragsfreistellung ruhig zu stellen.

Der Verkauf auf dem Zweitmarkt kann eine erwägenswerte Alternative zur vorzeitigen Kündigung sein.

Anders als in Großbritannien wird der Zweitmarkt für Lebensversicherungen in Deutschland kaum genutzt.

Nach Angaben des zuständigen Bundesverbandes blieb das Handelsvolumen mit 200 Millionen € in 2012 trotz des gestiegenen Stornovolumens konstant. Das sind gerade einmal 1,4 %.

Die mangelnde Popularität des Zweitmarktes ist nicht gerechtfertigt. Anleger können mit einem Verkauf ihrer Police keine Gewinne erzielen.

Aber sie können Verluste in Grenzen halten, sofern sich ihre Kapitallebensversicherung zum Verkauf geeignet. Die Verkaufspreise können 5-8 % über dem Rückkaufswert liegen.

 

  • Updated 22. Dezember 2017