Lebensversicherungsreform: keine Transparenz bei Provisionen

Im Eilverfahren hat der Bundestag das Lebensversicherungs-Reformgesetz (LVRG) verabschiedet.

Das Gesetz soll die durch die Niedrigzinsphase gebeutelten Kapitallebensversicherungen stabilisieren. Viele Versicherungsnehmer müssen Leistungseinschnitte in Kauf nehmen.

So sinkt der Garantiezins für neue Verträge von gegenwärtig 1,75 % auf jetzt 1,25 %.

Darüber hinaus wird die Beteiligung der Kunden an den Bewertungsreserven für festverzinsliche Papiere unter bestimmten Umständen gekappt.

Als ein Beitrag zum Verbraucherschutz war eigentlich die Offenlegung der Abschlussprovision geplant.

Doch dieser Reformansatz ist im Finanzausschuss des Bundestages gestorben.

 

Keine Offenlegungspflicht bei Abschlussprovisionen

 

Neben einschneidenden Änderungen für die Versicherungsnehmer war ursprünglich ein Bonmot für Verbraucher und Verbraucherschützer geplant: die Abschlussprovision sollten auf Heller und Pfennig offengelegt werden.

Die Offenlegungspflicht war nicht nur für Kapitallebensversicherungen geplant, sondern auch für ähnliche Finanzprodukte.

Sie sollte beispielsweise für Berufsunfähigkeitsversicherungen, Riester-Renten, und Unfallversicherungen mit Prämienrückgewähr gelten.

Die Offenlegung von Abschlussprovisionen wird lange von Verbraucherschützern gefordert.

Sie wäre auch sinnvoll gewesen, weil die Abschlussprovision die an sich mögliche Gesamtrendite erheblich mindert und darüber hinaus die Rückkaufwerte vor allem in der Anfangszeit einer Lebensversicherung negativ beeinflusst.

Doch zu diesem für die Versicherungswirtschaft unangenehmen Schritt konnte sich der Gesetzgeber nicht entschließen. Vielmehr wurde die Offenlegungspflicht wohl auf Druck der Versicherer im Finanzausschuss gekippt.

 

Angabe der Effektivkosten

 

Stattdessen hat der Ausschuss die zwingende Angabe der so genannten Effektivkosten ab 2015 beschlossen. Die Offenlegung der Effektivkosten ist schon heute bei Riester-Verträgen Pflicht.

Die Effektivkosten geben den Betrag an, um den die Rendite einer Kapitallebensversicherung durch die Abschlusskosten insgesamt verringert wird.

Die tatsächliche Höhe der Abschlussprovisionen bleibt dabei aber im Dunkeln.

Das Problem ist, dass die Kennziffer der Effektivkosten nur dann aussagefähig ist, wenn der Vertrag bis zum Ende der Laufzeit durchgehalten wird.

Andernfalls ist der Aussagewert gleich Null. Viele Versicherungsnehmer halten langlaufende Lebensversicherungsverträge oder Rentenversicherungsverträge aber nicht bis zum Laufzeitende durch sondern kündigen vorzeitig.

 

Höchstzillmersatz wird gesenkt

 

Ganz ungeschoren kommt der Versicherungsvertrieb durch die Reform jedoch nicht davon.

Vielmehr wird die Versicherungswirtschaft durch das Lebensversicherungs-Reformgesetz zur Senkung der Vertriebskosten angehalten.

Das geschieht durch die Verringerung des Höchstzillmersatzes. Diese Kennziffer wird von 40 auf 25 Promille gesenkt.

Die Zillmerung ermöglicht Versicherungsgesellschaften, wesentliche Teile der Abschlusskosten und Verwaltungsgebühren mit den ersten Beitragszahlungen zu verrechnen.

Die Folge ist eine Verringerung des Sparbetrages zum Nachteil des Versicherungsnehmers.

Der Versicherungsnehmer finanziert die Kosten praktisch vor. Besonders Kunden, die den Vertrag vorzeitig kündigen, werden benachteiligt, da der Rückkaufswert durch die Zillmerung sinkt.

Die Senkung des Höchstzillmersatzes muss nicht automatisch zur Verringerung der Abschlussprovision entführen. Allerdings wird es schwieriger, zu hohe Abschlussprovisionen aus den laufenden Beiträgen zu finanzieren.

 

Problem Bewertungsreserven

 

Die Neuregelung zu Bewertungsreserven hat in der Diskussion um Kapitallebensversicherungen viel Staub aufgewirbelt.

Manchmal war der Vorwurf zu hören, die mögliche Kappung der Bewertungsreserven zulasten der Versicherungsnehmer belaste diese einseitig mit den negativen Folgen der niedrigen Zinsen.

Doch auf den zweiten Blick erscheinen die neuen Vorschriften vertretbar. Bei Aktien und Immobilien bleibt die Beteiligung der Versicherungsnehmer an den Bewertungsreserven unberührt.

Nur wenn Bewertungsreserven bei festverzinslichen Wertpapieren entstehen, kann es zu Nachteilen für die Versicherungsnehmer kommen.

Gerät der Versicherer in Schwierigkeiten und kann er bei Ausschüttung der Bewertungsreserven seine Garantieleistung gegenüber anderen Kunden nicht erfüllen, ist er von der Pflicht befreit, jetzt ausscheidende Versicherungsnehmer an den Bewertungsreserven für festverzinsliche Wertpapiere zu beteiligen.

Inhaber von Lebensversicherungspolicen, deren Ablaufleistung jetzt fällig wird, können dadurch natürlich Ertragseinbußen erleiden.

Andererseits kann man argumentieren, dass Inhaber von Altverträgen unberechtigt bevorzugt wären, müssten sie an den Bewertungsreserven für festverzinsliche Wertpapiere unter allen Umständen beteiligt werden.

Bewertungsreserven entstehen, wenn der gegenwärtige Wert eines Papiers den Anschaffungspreis übersteigt.

In solchen Fällen spricht man auch von Buchgewinnen, also von Erträgen, die zwar theoretisch vorhanden sind, aber nicht durch den Verkauf von Wertpapieren realisiert werden.

Bei festverzinslichen Wertpapieren wie Renten, Staatsanleihen, Bundesschatzbriefen oder Industrieanleihen handelt es sich bei Buchgewinnen häufig um Scheingewinne.

Solche festverzinslichen Wertpapiere werden an der Börse gehandelt und unterliegen deshalb Kursschwankungen.

Für gut verzinste Wertpapiere, die die Versicherungsgesellschaften vor Beginn der Finanzkrise erworben haben, sind die Kurse gegenwärtig besonders hoch.

Jedoch besitzen Anleihen einen festen Anfangswert und einen festen Endwert.

Halten die Versicherungsunternehmen, wie üblich, diese Papiere bis zum Ende der Laufzeit, erhalten sie den Endwert.

Zwischenzeitliche Kursgewinne und vor allem auch Kursgewinne zum Ende der Laufzeit der Wertpapiere sind irrelevant.

Deswegen besteht für die Versicherungsgesellschaften in diesem Fall keine Chance, zwischenzeitlich entstandene Buchgewinne auch tatsächlich zu realisieren.

Die Auszahlung der Bewertungsreserven an die Versicherungsnehmer würde also zu Verlusten bei den Lebensversicherern führen.

 

  • Updated 22. Dezember 2017