Neue Lebensversicherungsprodukte: Halten sie, was sie versprechen?

Dauerhaft niedrige Zinsen haben die Lebensversicherer vor große Probleme gestellt.

Offenbar haben sie seit geraumer Zeit Schwierigkeiten, vor allem die verhältnismäßig hohen Garantiezusagen aus Altverträgen zu erfüllen, wenn der Gesetzgeber ihnen auch durch entsprechende Rechtsvorschriften im Jahr 2014 unter die Arme gegriffen hat.

Auf der anderen Seite verlieren Neuabschlüsse für Anleger zunehmend an Attraktivität. Das liegt einerseits an der ständig sinkenden Gesamtrendite für solche Verträge.

Besonders aber scheint die negative Signalwirkung sinkender Garantiezinsen eine Rolle zu spielen. Im Jahr 2014 waren es schon magere 1,75 %. In diesem Jahr, 2015, werden es sogar nur noch 1,2 % sein.

Nach Auffassung vieler Finanzexperten ist die klassische Kapitallebensversicherung mit der in Deutschland üblichen konservativen Anlagestrategie tot. Das meinen auch viele Anleger.

So erklärt sich, dass die sonst übliche Jahresendrallye bei den Neuabschlüssen trotz der drohenden Senkung der Garantieleistungen offenbar ausgeblieben ist.

BaFin: neue Lebensversicherungsprodukte entwickeln

Um weiter im Geschäft zu bleiben, entwickeln Lebensversicherer neue Finanzprodukte und folgen damit dem Rat der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) aus dem Jahr 2015.

Diese bestenfalls noch lebensversicherungsähnlichen Produkte werden seit einiger Zeit offensiv beworben.

Der gute Ratschlag der Behörde lautete, die Kapitallebensversicherung in wesentlichen Teilen neu zu erfinden und dabei auch noch den Spagat zwischen Kapitalsicherheit und Ertragsorientierung zu meistern.

Flexibel, renditestark, sicher und durchschaubar sollen die neuen Produkte nach Auffassung der BaFin sein.

Von der Lebensversicherung zur Vermögensverwaltung

Ohne Frage: Lebensversicherer die Allianz, Ergo oder Axa haben aus ihrer Sicht ihr Bestes gegeben, das Produkt Kapitallebensversicherung überlebensfähig zu machen und im Markt zu bleiben.

Klangvolle Namen signalisieren die Modernität und bei gleichzeitiger Sicherheit relativen Ertragsstärken dieser neun Finanzprodukte: „Allianz Perspektive“, „Ergo Rente Garantie“ oder „Axa Relax RenteClassic, Chance und Comfort“.

Alle diese neuen Produkte nehmen Abschied vom Grundprinzip der klassischen Lebensversicherung, der Garantieverzinsung neben den flexiblen Überschuss- und Schlussbeteiligungen.

Sie investieren die Sparbeiträge in Aktien, Fonds und andere Wertpapiere. Manchmal wird sogar in passiv gemanagte Indexfonds investiert.

Einige Produkte erlauben die Auswahl der Wertpapiere aus einem vorgegebenen Portfolio unter Berücksichtigung des Risikoprofils des Anlegers.

Ergo investiert einen Teil der Spareinlagen in eine Garantieabsicherung bei einer Rückversicherung.

Häufig sind Beitragsanpassungen und Anpassungen der Laufzeit möglich, um dem Anleger die Durchführung des Vertrages bis zum Laufzeitende zu erleichtern.

Oft besteht die Möglichkeit, das angesammelte Kapital gegen Ende der Laufzeit in Kapitalanlageprodukte umzuschichten, die besonders sicher sind.

Beispielsweise kann von Aktienfonds in sichere Renten- oder Geldmarktfonds umgeschichtet werden. Eine solche Umschichtung ist ein klassisches Instrument verantwortungsbewusster Vermögensverwaltung.

Viele dieser neuen Lebensversicherungsverträge haben mit Kapitallebensversicherungen also eigentlich nur noch wenig zu tun.

Die Versicherer agieren wie Vermögensverwalter, die mehr oder weniger erfolgreich das Geld ihrer Kunden entsprechend deren Risikoprofil anlegen.

Allerdings gibt es einen wesentlichen Unterschied. Die Versicherer müssen aufgrund gesetzlicher Vorgaben die eingesetzten Sparbeiträge garantieren.

Anders ausgedrückt: der Anleger bekommt am Ende der Laufzeit wenigstens sein eingesetztes Kapital zurück.

Bei Vertragsabschluss gemachte Renditeschätzungen und Ertragsversprechungen werden von vielen Fachjournalisten zu Recht als Luftschlösser bezeichnet.

Kein Mensch weiß, wie sich die Märkte für Aktien und andere Wertpapiere über eine Zeitdauer von 10 bis 30 Jahren entwickeln werden.

Steht in der Werbung, dass beispielsweise mit einer durchschnittlichen Rendite von 4 % zu rechnen ist, handelt es sich um nichts anderes als um heiße Luft.

Immer wird deshalb auch nachgeschoben, dass es sich bei einer solchen Angabe nicht um Garantien sondern lediglich um unverbindliche Schätzungen handelt.

Andererseits sind die neuen Produkte ihrer Struktur nach besser geeignet, eine höhere oder doch wenigstens angemessener Rendite auch für Neuverträge zu erwirtschaften, als es die klassischen Kapitallebensversicherungen gegenwärtig unter dem Diktat der Niedrigzinspolitik leisten können.

Die neuen Lebensversicherungsprodukte stellen den Versuch dar, potentielle Kunden davon abzuhalten in Alternativen wie Sparpläne aller Art oder Immobilien oder auch Fonds direkt zu investieren.

Der Versuch scheint jedenfalls teilweise von Erfolg gekrönt zu sein.

Tipps zum Vertragsschluss

Die neuen Lebensversicherungsverträge sind zum Teil recht kompliziert und auf den ersten Blick nur schwer zu verstehen.

Entscheiden sich Sparer, die Verwaltung ihres Geldes in die Hände von Lebensversicherern zu geben, sollten sie auf einige Punkte besonders achten:

In welche Produkte investiert die Lebensversicherung die Sparbeiträge? Haben diese Produkte in der Vergangenheit eine angemessene stetige Rendite abgeworfen?

Entspricht die Anlagestrategie dem persönlichen Risikoprofil des Anlegers, und besteht die Möglichkeit zum Ende der Laufzeit Lösungen zu vereinbaren, die mögliche Kursverluste in Grenzen halten. Dazu gehören beispielsweise: Umschichtung des Kapitals gegen Ende der Laufzeit, Übertragung der mit den Sparbeiträgen erworbenen Anteile an Fonds statt einer Abschlusszahlung.

Ist die Kostenstruktur des Lebensversicherers im Vergleich zu anderen Versicherungsgesellschaften günstig? Welche Anteile am Beitrag fließt in die Kosten? Rendite wird nur mit dem Sparbeitrag (Prämien abzüglich Kostenanteil) erwirtschaftet.

Sind Konditionen und Anlagestrategie der Lebensversicherung transparent und für den Anleger verständlich?

Konnte die ausgewählte Lebensversicherungsgesellschaft mit ihren Produkten in der Vergangenheit über längere Zeiträume hinweg angemessene, am besten über dem Durchschnitt liegende Renditen erzielen? Die vergangene Wertentwicklung ist keine Garantie für zukünftige Ertragsstarke. Sie ist aber ein Indiz für die Professionalität des Lebensversicherers.

Auf welche Weise wird die Auszahlung der Ablaufleistung geregelt, und entsprechen die Auszahlungsmodalitäten den persönlichen Ansprüchen?

Schließlich: Gibt es nicht doch Alternativen zum Abschluss einer Kapitallebensversicherung, die sich besser für den Anleger eignen? Alternativen sind beispielsweise Direktinvestitionen in Sparpläne aller Art, Indexfonds oder herkömmliche Rentenversicherungen.

Lohnen sich neue Lebensversicherungsprodukte?

Ob mit Kapitallebensversicherungen oder besser ausgedrückt durch Zwischenschaltung einer Lebensversicherungsgesellschaft sinnvoll fürs Alter gespart werden kann, diese Frage beschäftigt Experten schon lange.

Bei den neuen lebensversicherungsähnlichen Finanzprodukten stellt sie sich in besonderer Weise.

Häufig werden Kapitallebensversicherungsverträge, so auch die neuen Produkte, in Grund und Boden verdammt.

Zu teuer seien sie und die Rendite sei lächerlich gering. Diese Kritik erscheint in dieser Pauschalität etwas arrogant.

Unter Berücksichtigung der finanzpolitischen Rahmenbedingungen haben auch herkömmliche Kapitallebensversicherungen keine ganz so schlechte Rendite erwirtschaftet.

Jedenfalls gilt das im Vergleich zu anderen Anlageprodukten gleicher Risikoklasse. Fast alle Produkte, die in der Vergangenheit als ertragsstärkere Alternative zur Lebensversicherung angeboten wurden, gehörten einer höheren Risikoklasse an.

Auch die neuen Produkte garantieren jedenfalls den Kapitaleinsatz und die Kombination aus Spar- und Rentenprodukten gewährleistet einen relativ reibungslosen Übergang in die Auszahlungsphase.

Für viele Verbraucher sind wegen der mit der Lebensversicherung verbundenen Sicherheit bei nicht ganz schlechten Renditen auch die neuen Lebensversicherungsprodukte erwägenswert.

Zudem können oder wollen nicht alle Verbraucher die Geldanlage in die eigenen Hände nehmen. Eine gute Versicherungsgesellschaft als eine Art Vermögensverwalter zu engagieren, ist dann keine ganz so schlechte Idee.

Jedoch haben auch die neuen Lebensversicherungsprodukte gravierende Nachteile. So ist die Gesamtrendite bei Eintritt in die Auszahlungsphase völlig offen.

Die Höhe der monatlichen Rente hängt nämlich nicht nur vom angesparten Kapital ab, sondern auch von weiteren Voraussetzungen zum Ende der Ansparphase.

Steigt etwa die durchschnittliche statistische Lebenserwartung im Laufe der Ansparphase, wovon heutzutage auszugehen ist, verringern sich die monatlichen Rentenzahlungen eventuell spürbar.

Dieses Risiko besteht, weil Sparverträge mit Rentenverträgen kombiniert werden.

Darüber hinaus zahlt der Anleger für die erworbenen Vermögensanteile doppelte Kosten: einerseits die Abschluss- und Verwaltungsgebühren beim Lebensversicherer und zusätzlich die verschiedenen Fondskosten.

Ein weiterer Nachteil kommt hinzu: Die Anlagestrategie vieler Lebensversicherer ist ausgesprochen fantasielos. Zurückgegriffen wird einfach auf die Produkte bestimmter Kooperationspartner, die nicht selten auch noch demselben Konzern angehören. Qualität und Rendite treten dabei allzu oft in den Hintergrund.

Warum also nicht gleich unmittelbar in Wertpapiere und Fonds investieren? Wer sich das zutraut und etwas Zeit aufwenden kann, um die nötigen Informationen zu sammeln und zu verarbeiten, der ist damit sicher besser bedient als mit den neuen Lebensversicherungsprodukten.

Allerdings sollte die Risikostreuung dabei nicht übersehen werden. Eine Risikostreuung durch Investition beispielsweise in Renten-Indexfonds und gleichzeitig in Aktien-Indexfonds setzt allerdings voraus, dass die möglichen Sparbeiträge nicht allzu gering sind.

Fondssparpläne und Banksparpläne garantieren jedoch keine lebenslange Rente. Dennoch ist es eigentlich sinnvoll, Kapitalanlagen und Altersvorsorge zunächst zu trennen.

Wer auf Nummer sicher gehen will und das angesparte Kapital zum Beginn des Renteneintrittsalters verrenten möchte, kann dies beispielsweise immer noch durch eine Einmalzahlung in eine Sofortrente tun.

  • Updated 21. Dezember 2017