Kapitallebensversicherung: werden Provisionen gekappt?

Die Versicherungswirtschaft ruft nach dem Gesetzgeber.

In der nächsten Legislaturperiode sollen die Abschlussprovisionen bei Kapitallebensversicherungen und ähnlichen Produkten zur Altersvorsorge begrenzt werden.

Das jedenfalls scheinen die Vorstellungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zu sein.

Der Verband reagiert damit sicher auf die anhaltende Kritik von Verbraucherorganisationen, die die exorbitant hohen Abschlussprovisionen zulasten der Versicherungsnehmer seit langem anprangern.

Hauptgrund dürfte aber die missliche Situation sein, in der sich die Lebensversicherer seit Beginn der Niedrigzinsphase befinden.

 

Provisionskappung auch Folge der Finanzkrise

Altverträge mit nach heutigen Verhältnissen hohen Garantiezinsen sind für die Versicherungswirtschaft unterdessen alles andere als ein gutes Geschäft.

Auch die Gewinnerwartungen der Kunden erfüllen sich nicht mehr.

Nach einer Erhebung des Wirtschaftsmagazins Euro für Verträge, die 2013 ausgezahlt werden, kappen etwa 50 % der Lebensversicherungen die über die Garantiezusagen hinausgehenden Gewinnszuweisungen.

Und wegen fallender Renditen gibt es immer weniger Neuabschlüsse. Schon jetzt beträgt der Garantiezins magere 1,75 % für Neuabschlüsse. Viele Fachleute rechnen mit einer Absenkung auf 1 bis 1,25 %.

Angesichts dessen, dauert es immer länger, bis die gegenwärtig hohen Provisionen und Vertriebskosten eingespielt werden können.

 

 

Bei Neuverträgen dauert es gegenwärtig 20 Jahre, bis die Garantiezinsen wenigstens die eingezahlten Beiträge erwirtschaften.

 

Die Vorschläge zur Provisionsdeckelung

Mit der vorgeschlagenen Provisionsdeckelung bei Kapitallebensversicherungen soll diese Frist wohl auf etwa zehn Jahre verkürzt werden.

Die zuständige Arbeitsgruppe des GDV hat mehrere Vorstellungen zur Provisionsdeckelung entwickelt.

Ein Modell sieht die Begrenzung der Provisionen auf bis zu 4 % der Beitragssumme mit einer Stornohaftung von zehn statt wie bisher fünf Jahren vor.

Nach der zweiten Möglichkeit soll die Provision höchstens noch 2 % der Beitragssumme mit fünfjähriger Stornohaftung betragen. Zusätzliche 2 % werden über die verbleibende Vertragslaufzeit verteilt.

Darüber hinaus gibt es eine Höchstgrenze, die einen Jahresbeitrag ausmachen soll.

Diese Vorschläge der Arbeitsgruppe stellen nach Darstellung des GDV den Beginn einer Diskussion dar. Es handelt sich offenbar noch nicht um endgültig ausformulierte Initiativen.

Der GDV hält aus kartellrechtlichen Gründen eine entsprechende Selbstbindung für rechtlich nicht möglich und regt deshalb eine Gesetzesinitiative an.

Offenbar will man mit diesen Vorschlägen zur innerverbandlichen Diskussion in die Offensive gehen, um weiter reichenden Vorstellungen entgegenzuwirken.

 

Verbraucherfreundliche Regelungen in anderen Ländern

In anderen Ländern sind nämlich Abschlussprovisionen auf Kapitallebensversicherungen oder vergleichbare Altersvorsorgeprodukte verboten. Das gilt für Großbritannien, den Niederlanden und mehreren skandinavischen Ländern.

Stattdessen zahlen die Kunden vor Abschluss von Versicherungsverträgen ein Beratungshonorar.

Diese Regelung ist deutlich verbraucherfreundlicher, weil Beratungshonorare die Rendite lange nicht so beeinträchtigen wie die ungewöhnlich hohen Abschlussprovisionen in Deutschland.

 

Wie hoch sind die Provisionen gegenwärtig?

Gegenwärtig gibt es ein signifikantes Provisionsgefälle. Unabhängige Versicherungsmakler erhalten zwischen 4 und 5 % der Beitragssumme.

Arbeiten Versicherungsmakler für eine Gesellschaft als selbstständige Handelsvertreter, gibt es für sie ungefähr 2,5 %.

Vertritt der Handelsvertreter mehrere Unternehmen, ist er also ein so genannter Mehrfachagent, kommt er etwa auf 3,5 % Provision von der Beitragssumme.

Für diese Berufsgruppen wird sich nach den zur Diskussion gestellten Vorschlägen kaum etwas ändern.

 

Strukturvertriebe mit Problemen

Anders sieht es jedoch für die so genannten Strukturvertriebe aus. Vertriebene wie DVAG, MLP, OVB oder Swiss Life Select sollen bis zu 7 % der Beitragssumme erhalten. Das können im Einzelfall schon mal 10.000 € sein.

Für sie wäre die vorgeschlagene Deckelung der Provisionen bei Kapitallebensversicherungen und ähnlichen Produkten eine Katastrophe. Deshalb ist von dieser Seite heftige Gegenwehr zu erwarten.

Der Verband der Vertriebsgesellschaften (Votum) hält die vorgeschlagenen gesetzlichen Regelungen denn auch für verfassungswidrig und für einen Verstoß gegen das Kartellrecht.

Gesetzliche Eingriffe in den Wettbewerb müssten letztlich vom Verbraucher bezahlt werden.

Die Unterschiede in der Provisionshöhe rechtfertigten sich durch die Qualität der Beratung- und Betreuungsleistungen.

Demgegenüber weist der GDV darauf hin, dass bis zum Jahr 2008 die Abschlusskosten begrenzt waren, bevor die Finanzaufsicht BaFin diese Deckelung gegen den Willen der Versicherungswirtschaft aufgehoben hat.

Im Gegensatz zu Kapitallebensversicherungen ist die Provisionsbegrenzung bei privaten Krankenversicherungen wieder eingeführt worden, um den Wettlauf der Versicherungsgesellschaften immer höhere Abschlussprovisionen zu beenden. Teilweise wurden Provisionen in Höhe von bis zu 18 Monatsbeiträgen gezahlt.

  • Updated 22. Dezember 2017