Temporäre Reform bei Kapitallebensversicherungen

Ein Gesetz zur temporären Reform der Kapitallebensversicherung soll den Versicherern aus der Klemme helfen, in die sie durch die anhaltende Niedrigzinspolitik und ihre auf Sicherheit bedachte Anlagepolitik geraten sind.

Berichten zufolge wird der Entwurf bereits ab Mitte März den zuständigen Gremien zur Beratung zugehen.

Schwerpunkt ist die neue Regelung über die Behandlung von Buchwerten.

Im Gespräch ist darüber hinaus eine Kappung der Maklerprovisionen sowie die Senkung der Garantieverzinsung.

Die Regelung zur Behandlung von Bewertungsreserven bei der Ausschüttung der Ablaufleistungen soll temporär auf die Zeit der Niedrigzinsphase begrenzt werden.

Die Garantiezinsen werden immer an die Zinsentwicklung angepasst. Steigen die Zinsen wieder, erhöht sich auch die Garantieverzinsung für Neuabschlüsse.

 

Lebensversicherer dürfen Gewinne behalten

 

Bisher mussten die Versicherungsgesellschaften Bewertungsreserven zur Hälfte an ihre Kunden zusammen mit der Ablaufleistung ausschütten.

Nach dem Gesetzentwurf entfallen diese Leistungen vollständig, solange die Niedrigzinsphase anhält.

Betroffen sind sowohl Kunden, deren Verträge regulär auslaufen als auch Kunden, die vorzeitig kündigen.

Bei Kapitallebensversicherungen über größere Beträge kann das durchaus 10.000 € weniger bedeuten.

Buchgewinne entstehen, wenn der gegenwärtige Wert eines Wertpapierbestands höher ist als sein Anschaffungspreis.

Im Jahr 2013 standen ca. 60 Milliarden € in den Büchern der Lebensversicherer.

Da die Versicherungsgesellschaften hauptsächlich in Staatsanleihen und andere festverzinsliche Wertpapiere investieren, sind die Buchwerte wegen der Niedrigzinsphase immens gestiegen.

Müssten sie weiter die Hälfte der nicht realisierten Gewinne (Bewertungsreserven) ausschütten, würde dies nach Auffassung der Versicherer und wohl auch des Gesetzgebers diejenigen bevorzugen, deren Verträge gegenwärtig ablaufen, und zwar auf Kosten der Policeninhaber, deren Verträge erst später ausgezahlt werden müssen.

Der Liquiditätsengpass bei Lebensversicherungen ist nicht nur dem niedrigen Zinssatz geschuldet. Die Probleme sind auch durch die Anlagepolitik der Versicherer entstanden.

Traditionell investieren deutsche Kapitallebensversicherungen hauptsächlich in Rentenpapiere aller Art.

Anders als ihre britischen Konkurrenten schöpfen sie den gesetzlich zugelassenen Aktienanteilen nicht einmal annähernd aus.

Deswegen konnten sie von den im Anschluss an die Finanzkrise steigenden Aktienkursen kaum profitieren.

Andererseits hatten sie es aber schwer, profitable Neuanlagen zu finden, und außerdem haben sie jetzt Probleme mit den hohen Buchwerten von Altanlagen und mit einer schrumpfenden Liquidität.

 

Provisionen sollen gedeckelt werden

 

Versicherungsvertreter verdienen an Kapitallebensversicherungen nicht schlecht. Gerade die Versicherungsgesellschaften sind es, die nach einer gesetzlichen Regelung zur Deckelung der Provisionen rufen. Warum?

Dank niedriger Zinsen dauert es bisweilen zehn Jahre und länger, bis die hohen Provisionen aus den Beiträgen der Versicherungsnehmer abgezahlt sind.

Erst danach fließen die Prämienzahlungen der Versicherten in die Geldanlage.

Die Versicherungswirtschaft scheut eine Kappung der Provisionen aufgrund einer freiwilligen Vereinbarung, weil darin eine unzulässige Branchenabsprache gesehen werden kann. Sie glaubt sich deshalb auf den Gesetzgeber angewiesen.

Geplant ist wohl eine Begrenzung der Provisionen auf etwa 3,5 % der Versicherungssumme.

 

Senkung der Garantiezinsen

 

Eventuell ist eine erneute Senkung des Garantiezinses von 1,75 % auf 1,25 % geplant. Eine solche Senkung entspräche den Vorschlägen von Fachleuten.

Klassische Kapitallebensversicherungen würden dadurch für Neuanleger noch unattraktiver werden.

Große Lebensversicherer haben bereits alternative Produkte auf den Markt gebracht.

Diese modernen Kapitallebensversicherungen verzichten weitgehend auf Garantieleistungen. Dafür versprechen sie die Möglichkeit höherer Renditen allerdings auch bei höherem Risiko.

 

Kündigung vor Gesetzesänderung?

 

Die geplante Gesetzesänderung kann sehr schnell kommen. Das genaue Datum ist allerdings nicht bekannt. Vielleicht sind es nur noch wenige Wochen (ab Datum: 9.4.2014).

Das Gesetz wird Auswirkungen auf die Höhe der Rückkaufwerte und auf die Ablaufleistung haben.

Denn die bisherige Anrechnung von Bewertungsreserven wird gekürzt. Fondsgebundene Versicherungen sind allerdings von der Kürzung nicht betroffen.

Bis zum Stichtag, an dem das Gesetz in Kraft tritt, gilt noch die alte für Versicherte günstigere Regelung. Je nach Vertrag kann der Unterschied einige hundert oder einige tausend € ausmachen.

Lohnt sich also eine rechtzeitige Kündigung mit der Geltendmachung des Rückkaufwerts?

Ohne genaue Daten kann diese Frage nicht beantwortet werden. Eine vorzeitige Vertragsauflösung ist aber am ehesten bei Kapitallebensversicherungen wirtschaftlich sinnvoll, die innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre ablaufen.

Jedoch ist es nicht so einfach, die von den Versicherungen zur Verfügung gestellten Angaben richtig zu bewerten, um die wirtschaftlichen Vorteile oder Nachteile einer vorzeitigen Vertragskündigung einschätzen zu können.

Eine neutrale fachkundige Beratung ist sinnvoll, vor allem wenn es um größere Beträge geht.

Zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit einer vorzeitigen Vertragskündigung werden einige Daten benötigt, die bei der Versicherung abgefragt werden können: der Rückkaufswert, die gesondert ausgewiesenen Bewertungsreserven und die kalkulierten Ablaufleistungen bei regulärem Vertragsende.

Die Daten können schriftlich angefordert werden. Allerdings lassen die Auskünfte bisweilen an Klarheit zu wünschen übrig.

Probleme bereitet vor allem die gesonderte Ausweisung der Bewertungsreserven

Häufig wird nur der so genannte Sockelbetrag angegeben. Dabei handelt es sich um den Mindestbetrag des laufenden Jahres.

Die Versicherer berufen sich darauf, dass sie wegen der Schwankungsanfälligkeit der Bewertungsreserven den Kunden gegenüber auf Nummer sicher gehen wollen.

Im Ergebnis führt diese Auskunftspraxis dazu, dass die tatsächlichen Bewertungsreserven sehr oft höher sind als zunächst angegeben.

Bei vorzeitiger Kündigung müssen Kunden auf die Schlussüberschüsse verzichten, die allerdings in letzter Zeit kaum noch ausgeschüttet wurden.

Ebenso können Steuervorteile bei einer vorzeitigen Kündigung der Kapitallebensversicherung entfallen.

  • Updated 22. Dezember 2017