Kapitallebensversicherung: Renditen und Überschussbeteiligungen 2014

Ein historisch niedriges Zinsumfeld und gesetzliche Auflagen haben in der Vergangenheit viele Versicherer gezwungen, die Verzinsung der Sparbeiträge ihrer Kunden zu senken.

Dieser Trend wird jetzt von einigen Marktführern durchbrochen.

Sie versprechen, die Verzinsung für 2014 nicht zu senken, sondern stattdessen die Rendite stabil zu halten.

Die Zinspolitik der Branchenführer könnte zu einem Ausleseprozess führen, an dessen Ende einige Anbieter von Kapitallebensversicherungen sogar auf der Strecke bleiben könnten.

Alle Lebensversicherer geben in den letzten Wochen des Jahres die Rendite für 2014 bekannt.

Anleger können dann erkennen, welche Gesellschaften finanziell gesund genug sind, die Zinsen stabil zu halten und welche trotz des Konkurrenzdrucks neue Zinskürzungen verkünden müssen.

 


Das Dilemma der Kapitallebensversicherungen


Deutsche Lebensversicherer haben seit der Finanzkrise mit mehr als nur einem Problem zu tun. Teilweise wurden die Schwierigkeiten durch die Anlagestrategien deutscher Lebensversicherer verursacht.


Anlagestrategien in der Vergangenheit

Ein Grundproblem ist die vorsichtige, man kann auch sagen fantasielose, Anlagepolitik in der Vergangenheit. Nur ca. 3 % der Kundengelder wurden in Aktien und Immobilien angelegt, obwohl der gesetzliche Anteil erst bei 30 % begrenzt ist. Der Rest wurde in vermeintlich sichere Anleihen und Rentenpapiere investiert.

Solche Wertpapiere werfen aber in Zeiten niedriger Zinsen nur wenig Rendite ab, während die Kurse von Aktien geradezu explodierten.

Man könnte nun meinen, diese Schwierigkeiten seien ohne weiteres durch Erhöhung des Anteils an Aktien und Immobilien zu beseitigen. Doch das ist wegen bestehender und erwarteter gesetzlicher Auflagen nicht ohne weiteres jedemVersicherer möglich.


Gesetzliche Vorgaben

Solvency II verlangt von den Versicherern in Zukunft besonders hohe Rücklagen mit Eigenkapital, so weit Kundengelder in Aktien angelegt werden. Nur wirklich solvente Lebensversicherer können sich das noch leisten. Denn die Ausschüttung relativ hoher Garantieleistungen bei Altverträgen hat die Finanzdecke stark belastet.

Erschwerend wirkt sich außerdem eine weitere gesetzliche Auflage aus. Der Gesetzgeber verlangt Zusatzreserven, um die Ausschüttung hoher Garantiezinsen der Vergangenheit auch tatsächlich zu gewährleisten.

Musste die Reserve in 2011 und 2012 nur für Verträge mit einem Garantiezins ab 4 % gebildet werden, sind 2013 schon Verträge ab 3,5 % betroffen. Bei manchen Versicherungen stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob Überschussbeteiligungen über den Garantiezins hinaus noch ausgezahlt werden können.

In diesem Umfeld wird es nur finanziell gesunden Lebensversicherungen mit guter Kapitaldecke gelingen, die Rendite stabil zu halten zum Beispiel durch eine Erhöhung des Aktien-und Immobilienanteils.

 

Welche Lebensversicherer garantieren 2014 stabile Renditen?


Vorgeprescht ist die Allianz, Deutschlands größter und kräftigster Lebensversicherer. Das Unternehmen garantiert 3,6 % Verzinsung. Damit bleibt die Rendite zum ersten Mal seit fünf Jahren stabil.

Gleichzeitig hat die Allianz aber neben herkömmlichen Kapitallebensversicherungen auch Versicherungsprodukte auf den Markt gebracht, die eine Garantieverzinsung nicht mehr vorsehen. Bestandsschutz gibt es nur noch für die eingezahlten Beiträge. Der Ertrag darüber hinaus hängt vom Anlageerfolg ab.

Die Allianz gehört zu den Versicherern, die wegen einer starken Kapitaldecke in der Lage sind, rentierliche Neuinvestitionen etwa in Gewerbeimmobilien vorzunehmen.

Auch bei der Alten Leipziger bleiben die Renditen stabil bei 3,35 %, nachdem in 2013 deutliche Abstriche erfolgten. Gleiches gilt für die Ideal.

Andere Anbieter von Kapitallebensversicherungen werden diesem Beispiel folgen müssen, wollen sie nicht den Anschluss verlieren.

Bisher haben nur wenige Versicherer die Rendite gesenkt. Ob das angesichts des Vorpreschens des Marktführers so bleibt oder ob die Senkungen zurückgenommen werden, bleibt abzuwarten.

 

Wann ist der Neuabschluss noch empfehlenswert?


Zinsgarantien und gesunde Bilanzen mögen Kunden beruhigen. Sie bedeuten aber keineswegs, dass der Versicherte bei solchen Gesellschaften auch eine renditestarke Kapitallebensversicherung abschließen kann.

Entscheidend für die Höhe der Rendite sind vor allem die Kostenstruktur und der Anlageerfolg.

Rendite wird ausschließlich mit dem Sparbeitrag erwirtschaftet. Je niedriger der Kostenanteil in den Prämien ist, desto besser sind die Renditechancen.

Ob der Lebensversicherer zukünftig eine erfolgreiche Anlagestrategie verfolgen wird, ist für den Kunden nur schwer zu beurteilen. Ein Anhaltspunkt ist aber, welche Erträge im Vergleich zu anderen Kapitallebensversicherungen in der Vergangenheit erwirtschaftet wurden.

Bei dem gegenwärtig geringen Zinsniveau, welches noch eine ganze Weile anhalten wird, ist ein gut gemischtes Portfolio für zukünftige Renditeerwartungen besonders wichtig.

Ein Neuabschluss lohnt sich nach diesseitige Auffassung nur, wenn neben Anleihen und Renten ein ausreichender Anteil an ertragsstärkeren Investments wie Aktien und Immobilien vorhanden ist.

Einige Lebensversicherer legen ihre Anlagestrategie auf ihren Internetplattformen offen und werben ausdrücklich mit einer auf Ertrag ausgerichteten Anlagestrategie bei höchstmöglicher Risikoabsicherung.

  • Updated 22. Dezember 2017