Ausbildungsversicherung: besser nicht

Berufsausbildung und Studium können teuer sein, bis zu 60.000 €. Nicht umsonst machen Eltern und Großeltern sich über die Finanzierung solcher Beträge frühzeitig Gedanken.

Viele Versicherer greifen die Sorge auf und bieten relativ komplizierte Versicherungsprodukte unter der Bezeichnung „Ausbildungsversicherung“ an.

Im Folgenden wird diskutiert, ob solche Versicherungsprodukte sich wirklich auszahlen, worum es sich genau handelt und welche Alternativen es gibt.

Was ist eigentlich eine Ausbildungsversicherung? Zunächst einmal: Es handelt sich nicht um eine eigenständige Versicherungsart.

Definition

Ausbildungsversicherung sind gemischte Lebensversicherungen. Sie bestehen aus einer Kombination von Kapital- und Risikolebensversicherung.

Ganz überwiegend werden klassische Kapitallebensversicherungen angeboten. Vereinzelt findet man auch Angebote, bei denen der gesamte Sparbeitrag oder ein Teil davon in Fonds angelegt wird.

Ein Beispiel ist Juniorinvest Premium von der Zurich. Das Produkt ist wie eine Rentenversicherung aufgebaut, kann aber auch zur Finanzierung der Ausbildung dienen.

Wie viele fondsgebundene Versicherungen verfügt das Angebot über Sicherungsmechanismen, die vor Kapitalverlust schützen sollen, aber gleichzeitig die Gesamtrendite einschränken.

Die Risikolebensversicherung wird zur Absicherung des Todesfallrisikos des Beitragszahlers (Versicherungsnehmers) und zum Hinterbliebenenschutz abgeschlossen.

Im Risikoanteil der Ausbildungsversicherung können manchmal noch andere Risiken, wie Unfälle oder dauernde Arbeitslosigkeit, versichert werden.

Es handelt sich jedoch nicht um einen eigenständigen Versicherungsteil. Der Begünstigte, das Kind, erhält keine Zahlungen, wenn der Risikofall eintritt.

Versichert ist lediglich das Risiko der Beitragszahlung für den Kapitalteil der Ausbildungsversicherung.

Stirbt der Beitragszahler (das ist der Versicherungsnehmer – Eltern, Großeltern, Paten oder andere) oder tritt ein anderer versicherter Risikofall ein, der die Beitragszahlung gefährdet, zahlt die Risikoversicherung die Beiträge weiter.

Begünstigter ist das im Versicherungsvertrag benannte Kind. Versicherungsnehmer bzw. versicherte Person ist in der Regel diejenige Person, die die Beträge zahlt.

Ausbildungsversicherungen werden zu einem bestimmten vereinbarten Zeitpunkt ausgezahlt. Häufig wird die Volljährigkeit des begünstigten Kindes gewählt oder der 20., manchmal der 25. Geburtstag. Versicherungssummen bis zu 50.000 € sind üblich.

Gesundheitsfragen spielen bei fast allen Lebensversicherungen eine Rolle. Einige Anbieter von Ausbildungsversicherungen begnügen sich jedoch mit nur wenigen Angaben des Versicherungsnehmers, andere verzichten ganz auf eine Gesundheitsprüfung.

Manchmal dürfen die Versicherungsnehmer (Eltern, Verwandte) eine Altersgrenze nicht überschreiten, beispielsweise 45 Jahre. Bei solchen Anbietern sind Großeltern in der Regel vom Abschluss einer Ausbildungsversicherung ausgeschlossen.

Beiträge

Beiträge können monatlich, in längeren Zeitintervallen oder auch als Einmalzahlung geleistet werden.

Einige Anbieter erlauben dynamische Beitragsleistungen, die mit Zeitablauf steigen. Die monatlichen Mindestbeiträge betragen regelmäßig 25 bis 30 €.

Bisweilen können Sonderzahlungen geleistet werden. Manche Anbieter sehen vor, neben den üblichen regelmäßigen Prämien beispielsweise noch einen Betrag von 1000 € oder 2000 € anzulegen.

Dadurch besteht die Möglichkeit, größere Geldgeschenke zu besonderen Anlässen wie Taufe oder Konfirmation in die Ausbildungsversicherung zu investieren.

Bei gemischten Verträgen gibt es drei Beitragskomponenten: Risikovorsorge, Sparbeitrag und Kostenanteil.

Anleger müssen wissen, dass bei Ausbildungsversicherungen nur der Sparbeitrag Renditen erwirtschaftet.

Wer kann die Versicherung abschließen?

Grundsätzlich jeder, der für das betreffende Kind Kapital ansparen möchte. In erster Linie werden dies die Eltern, aber auch Großeltern, Paten oder nahe Verwandte sein.

Wer den Vertrag für das Kind abschließt, ist der Versicherungsnehmer bzw. der Versicherte. Das Kind ist der Begünstigte.

Theoretisch können selbst völlig fremde Personen eine Ausbildungsversicherung für ein bestimmtes Kind abschließen.

Häufig taucht die Frage auf, ob der Abschluss einer Ausbildungsversicherung für Eltern sinnvoll ist. Nach objektiven Kriterien betrachtet, lautet die Antwort eindeutig „nein“.

Das Hauptproblem liegt in den verhältnismäßig hohen Kosten für die im Versicherungspaket enthaltene Risikoversicherung. Diese Versicherung wird umso teurer, je älter der Versicherungsnehmer ist.

Erhöht sich der Anteil für die Risikovorsorge, verringern sich die Sparbeiträge entsprechend. Da nur mit Sparbeiträgen Rendite erwirtschaftet wird, bedeutet dies Renditeverluste.

Seriöse Versicherer weisen auf diesen Umstand hin, oder sie bieten solche Versicherungen erst gar nicht an.

Einige Versicherungen erlauben einen anderen Weg: Die Großeltern zahlen die Beiträge, Versicherungsnehmer sind aber die Eltern. Fallen die Großeltern als Beitragszahler weg, treten die Eltern ein.

Dieselbe Lösung können die Beteiligten natürlich auch durch interne Vereinbarungen erreichen. Die Eltern schließen den Vertrag, aber die Großeltern zahlen im Innenverhältnis die erforderlichen Beiträge.

Wann abschließen?

Jeder Vermögensaufbau ist am effektivsten, wenn er über eine sehr lange Zeit durchgeführt wird. Eine möglichst lange Laufzeit ist Voraussetzung für eine gute Rendite. Das gilt auch für Ausbildungsversicherungen.

Gerade Lebensversicherungen werfen in den letzten Jahren der Vertragslaufzeit die höchste Rendite ab.

Denn dann sind die Zinseszinseffekte am größten und außerdem werden häufig so genannte Schlussboni gezahlt.

Am besten wird eine Ausbildungsversicherung unmittelbar nach der Geburt für das Baby abgeschlossen. Einige Versicherungsgesellschaften sehen sogar Höchstalter für das Kind vor. Gebräuchlich sind 10 – 12 Jahre.

Auszahlung

Nach Ablauf der Vertragslaufzeit wird die vereinbarte Versicherungssumme ausgezahlt.

Die Ablaufleistung besteht aus der Summe der gezahlten Sparbeiträge (Gesamtbeitrag abzüglich Kostenanteile und Prämien für die Risikoabsicherung), den Garantieleistungen und den Boni bzw. Gewinnanteilen.

Einige Verträge räumen die Möglichkeit vorzeitiger Auszahlungen ohne negative Auswirkungen auf die Rendite ein.

Meistens werden solche Teilzahlungen auf einen bestimmten Prozentsatz des bestehenden Guthabens beschränkt und sind erst nach einer längeren Vertragslaufzeit zulässig.

Vorzeitige Kündigung

Eine Kündigung vor Ablauf der vereinbarten Vertragslaufzeit ist grundsätzlich entsprechend der allgemeinen Vertragsbedingungen möglich. Erstattet wird dann aber nur der sehr niedrige Rückkaufswert.

Bei Lebensversicherungen ist eine vorzeitige Kündigung deshalb immer ein sehr ungünstiges Geschäft.

Es gibt Alternativen, die aus wirtschaftlicher Sicht vorzuziehen sind. Dazu gehört die Beleihung der Versicherung oder die Aufnahme eines mit der Ausbildungsversicherung gesicherten Bankdarlehens.

Andere Möglichkeiten sind die Herabsetzung der Versicherungssumme oder die Beitragsfreistellung für eine gewisse Zeit.

Welche Alternativen zu einer vorzeitigen Kündigung im Einzelnen infrage kommen, hängt neben den persönlichen Wünschen auch von den getroffenen Vereinbarungen ab.

Rendite

Die meisten Versicherer garantieren den Kapitalerhalt. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, dass die Gesamtrendite solcher Ausbildungsversicherungen blamabel gering ist.

Die Auswirkungen der Finanz- und Euro Krise – historisch niedrige Zinssätze und Garantiezinsen – machen Ausbildungsversicherungen zusätzlich unrentabel.

Nach Untersuchungen von Testzeitschriften bewegen sich die Renditen gerade einmal um ein Prozent des eingesetzten Kapitals.

Das sind Durchschnittswerte, und sicher ist es möglich, Verträge mit einer besseren Rendite zu finden.

Die Höhe der Rendite im Vergleich zum Durchschnitt gibt einen wichtigen Aufschluss darüber, wie wirtschaftlich und kostengünstig eine Versicherungsgesellschaft arbeitet. Arbeitet ein Versicherer kostengünstiger als der Durchschnitt, wirkt sich dies spürbar auf die Höhe der Rendite aus.

Da lediglich die Garantieverzinsung vor Vertragsschluss feststeht, alle anderen Gewinnanteile aber variabel sind, handelt es sich bei der Angabe zur Gesamtrendite immer nur um Schätzungen.

Wichtig ist, dass einer Renditeschätzung die volle Beitragshöhe zu Grunde gelegt wird (Beitragsrendite) und nicht nur die Sparbeiträge.

Nur wenn der gesamte Kapitaleinsatz bei der Ertragsrechnung berücksichtigt wird, können aussagefähige Vergleiche zu alternativen Anlagemöglichkeiten hergestellt werden.

Tod eines Beteiligten

Stirbt der Versicherungsnehmer (der Beitragszahler), tritt die in der Ausbildungsversicherung enthaltene Risikoversicherung ein.

Diese Versicherung stellt die Beitragszahlung bis zum Ende des Vertrages sicher.

Stirbt das begünstigte Kind, treten im Prinzip die Erben anstelle des Kindes in den Vertrag ein. Es sind aber immer die Versicherungsbedingungen entscheidend.

Sie können vorsehen, dass lediglich die bisherigen Beiträge erstattet werden. Möglich ist auch das der Versicherungsnehmer einen anderen Begünstigten auswählen kann.

Unterhalt und Steuerfragen

Eine ausgezahlte Ausbildungsversicherung kann den Unterhaltsanspruch volljähriger Kinder, die in der Ausbildung stehen, reduzieren.

Das ergibt eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Frankfurt. Danach stellt die Versicherungssumme kein zweckfreies, sondern ein gerade auf die Ausbildung zielgerichtetes Sparguthaben dar.

Die Reduzierung des Unterhaltsanspruchs gilt bis der ausgezahlte Betrag bestimmungsgemäß verbraucht ist.

danach noch ein Unterhaltsanspruch dem Grunde nach, ist er wieder in voller Höhe gegeben.

Steuerrechtlich sind zwei Fragen interessant: Die Behandlung der Beiträge und die Besteuerung von Erträgen.

Wurde der Vertrag vor Ende 2004 abgeschlossen, können laufende Beitragszahlungen (keine Einmalbeiträge) steuerlich zu 88 % geltend gemacht werden, wenn die Laufzeit wenigstens zwölf Jahre beträgt.

Fondsgebundene Versicherungen sind davon ausgeschlossen.

Die ausgezahlte Versicherungsleistung ist steuerfrei, sofern der Vertrag bis Ende 2004 abgeschlossen wurde.

Bei später vereinbarten Ausbildungsversicherungen ist der Ertragsanteil zu versteuern. Er unterliegt der Abgeltungssteuer in Höhe von 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer.

Der Ertragsanteil ist die Differenz zwischen Auszahlungsbetrag und gezahlten Versicherungsprämien.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass das Halbeinkünfteverfahren die Abgeltungssteuer ersetzt, wenn die Laufzeit des Vertrages zwölf Jahre betragen hat und der Bezugsberechtigte das 60. Lebensjahr vollendet hat.

Ein solcher Fall wird allerdings bei einer Ausbildungsversicherung kaum jemals eintreten.

Ausbildungsversicherungen ja oder nein

Die Expertenmeinungen sind bei dieser Frage ungewöhnlich einheitlich. Risikovorsorge und Geldanlage sollten immer getrennt werden.

Bei einer Ausbildungsversicherung werden beide Komponenten aber als Paket verkauft.

Solche Paketlösungen gelten als treuer, weil lediglich der Sparanteil der Prämie Rendite abwirft und die Aufwendungen wie Vertragskosten, Vermittlungsgebühren und anderes verhältnismäßig hoch sind.

Hinzu kommt, dass klassische Lebensversicherungen, wie sie in einer Ausbildungsversicherung meistens enthalten sind, von ihrem Charakter her niemals zu den ertragsstärksten Geldanlagen gehören, selbst in Zeiten angemessener Verzinsung nicht.

Sollen Kinder gegen Tod, Unfall oder Berufsunfähigkeit der Eltern abgesichert werden, empfiehlt sich der Abschluss gesonderter Risikoversicherungen, die oft nur wenige Euro im Monat kosten.

Fällt trotz aller Nachteile die Entscheidung für eine Ausbildungsversicherung, sollte auf größtmögliche Flexibilität geachtet werden.

Dazu gehören Beitragsanpassungen, vorzeitige Auszahlungsmöglichkeiten und vielleicht auch die Option, die Ausbildungsversicherung gegen Ende der vereinbarten Laufzeit in eine echte Versicherung umzuwandeln.

Alternativen

Fast jede andere Kapitalanlage ist flexibler und verspricht eine höhere Rendite als Ausbildungsversicherungen.

Das gilt selbst für normale Banksparplänen, wenn nicht gerade das erstbeste Angebot der Hausbank gewählt wird. Auch Tagesgeld oder Festgeld kommt in Betracht.

Der größte Sparerfolg wird – unabhängig von der Anlageform – erzielt, wenn so früh wie möglich mit dem Kapitalaufbau begonnen wird und die Sparbeiträge regelmäßig erbracht werden.

Unseres Erachtens eignen sich als renditestarke Alternative zu Ausbildungsversicherungen vor allem passiv gemanagte Indexfonds auf Aktienindices (ETFs).

Es gibt auch ETFs auf Rentenindices für Anleger, denen eine Aktienanlage zu risikoreich erscheint.

Aktien-ETFs sind bei entsprechend langem Anlagehorizont (12 – 20 Jahre) und bei Einzahlungen in regelmäßigen Abständen eigentlich nur mit dem theoretischen Risiko eines Kapitalverlusts behaftet. In der Praxis kommt er praktisch nicht vor.

Voraussetzung ist allerdings die Investition in breit gestreute Aktienindices oder in Indices, die eine kontinuierliche Wertentwicklung erwarten lassen. Beispiele sind MSCI World, Dow-Jones oder S&P 500.

Es gibt ETF Sparpläne, die bereits mit 25 € monatlich bedient werden können. Online Broker sind besonders günstig.

Die Sparpläne sind sehr flexibel. Beiträge können jederzeit geändert werden, und das gesparte Kapital nebst Gewinnen und Dividenden steht immer vollständig ohne Abstriche zur Verfügung.

Eine gute Lösung ist, ETFs mit Banksparplänen zu koppeln, um das Risiko noch breiter zu streuen. Beispielsweise können 40 % der Sparsumme in Banksparplänen und 60 % in Aktien-ETFs angelegt werden.

Eine noch mehr auf Sicherheit bedachte Aufteilung wäre beispielsweise 30 % in Banksparplänen 30 % in Aktien ETFs und 40 % in Indexfonds auf Renten.

Manchmal wird empfohlen, gegen Ende der ins Auge gefassten Laufzeit eine Umschichtung von Aktien-ETFs in festverzinsliche Papiere oder auch Festgeld vorzunehmen.

Auf diese Weise können erzielte Gewinne gesichert werden. Anders als bei Ausbildungsversicherungen ist die Realisierung von Kursgewinnen jederzeit möglich.

  • Updated 21. Dezember 2017