Direktversicherung: Lebensversicherung als betriebliche Altersvorsorge

Die betriebliche Rentenversicherung ist als dritte Säule der Altersvorsorge neben der gesetzlichen Rente und der privaten Zusatzrente unverzichtbar, um den Lebensstandard im Alter zu halten.

Ein weit verbreitetes Instrument der Betriebsrente sind Direktversicherungen.

Sie können ohne bürokratischen Aufwand selbst von kleinen Unternehmen mit nur ein paar Arbeitnehmern zur Verfügung gestellt werden.

Andere Möglichkeiten der betrieblichen Altersvorsorge sind Direktzusagen über vom Arbeitgeber zu bildende Rücklagen, Unterstützungskassen, Pensionsfonds und Pensionskassen.

Diese Formen der betrieblichen Rentenversicherung werden vornehmlich von größeren Betrieben mit der dazu erforderlichen Kapitalausstattung und betriebswirtschaftlichen Organisation angeboten.

 

Was ist eine Direktversicherung?

 

Der Direktversicherung liegt immer eine Lebensversicherung zugrunde. Dabei kann es sich um eine klassische Kapitallebensversicherungoder um einefondsgebundene Versicherung handeln.

Versicherungsnehmer ist der Arbeitgeber. Die Direktversicherung wird auf das Leben des Arbeitnehmers als versicherter Person abgeschlossen.

Bezugsberechtigt ist der Arbeitnehmer und nach dessen Tod die Hinterbliebenen.

Direktversicherungen sind nicht allein auf die Rentenleistung beschränkt.

Üblicherweise werden auch andere Leistungen wie Fälle der Invalidität und der Hinterbliebenenversorgung umfasst.

Versicherungstechnisch bedeutet das, neben der reinen Betriebsrente können auch Berufsunfähigkeitsrenten und Unfallzusatzversicherungen eingeschlossen sein.

Arbeitnehmer haben ein Recht auf betriebliche Altersvorsorge.

Da die meisten kleinen Unternehmen die anderen vier Möglichkeiten der Betriebsrente nicht anbieten können, läuft es meistens auf eine Direktversicherung hinaus.

Mit welcher Versicherungsgesellschaft die Direktversicherung abgeschlossen wird, bestimmt allein der Arbeitgeber. Direktversicherungen können nur im Rahmen einer hauptberuflichen Tätigkeit abgeschlossen werden und nicht bei einem Nebenjob.

 

Leistungen an den Bezugsberechtigten

Die Auszahlung der Direktversicherung ist frühestens ab dem vollendeten 62. Lebensjahr möglich.

Je nach Vertrag kommen unterschiedliche Auszahlungsmodi der Ablaufleistung in Betracht.

Die Regel ist eine monatliche Altersrente. Bisweilen können Bezugsberechtigte aber stattdessen eine Einmalzahlung wählen.

Einige Verträge sehen eine Kombination dieser beiden Varianten vor (Teilkapitalabfindung meistens höchstens 30 % des gesamten Kapitals).

 

Hinterbliebenenversorgung

Bezugsberechtigte Hinterbliebene können sein:

Kindergeldberechtigte Kinder
Ehepartner
Frühere Ehepartner
Lebensgefährten
Eingetragene gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften

Stirbt der versicherte Arbeitnehmer während der Ansparphase der Versicherung, haben die Hinterbliebenen je nach Vertrag Anspruch auf Beitragsrückgewähr oder auf das angesammelte Kapital nebst bestehender Überschüsse.

Hinterbliebenenrenten werden im Rahmen von Rentengarantiezeiten gezahlt, und minimieren die Betriebsrente des Versicherten.

 

Beiträge zur Direktversicherung

Um die Beiträge aufzubringen, wird ein Teil der Bruttoeinkünfte entsprechend umgewidmet oder der Arbeitgeber leistet Sonderzahlungen.

Soweit Geld für Beiträge aufgewandt wird, sind die Beträge steuerfrei, und es werden keine Sozialabgaben erhoben. Das gilt bis zu einer Höchstgrenze von 4 % der jeweiligen Beitragsbemessungsgrenze.

Darüber hinaus können zusätzliche 1.800 € steuerfrei aber nicht sozialversicherungsfrei eingezahlt werden, sofern keine Altzusage vorliegt.

Die hier dargestellten Regeln gelten für Verträge, die nach dem 31. Januar 2004 abgeschlossen werden.

 

Direktversicherung und Arbeitgeberwechsel

 

Endet das Vertragsverhältnis mit dem Arbeitgeber, besteht ein Anspruch auf Übertragung der unverfallbaren Ansprüche auf den Arbeitnehmer (Portabilität).

Die Arbeitnehmer können den Vertrag fortführen oder beitragsfrei stellen.

Bei einem Wechsel zu einem neuen Arbeitgeber gibt es außerdem noch weitere Möglichkeiten:

Fortführung der Direktversicherung durch den neuen Arbeitgeber.

Guthabenübertragung nach Paragraph 4 Abs. 3 des Betriebsrentengesetzes.

Abfindungen können steuerlich gefördert in einem bestimmten Umfang für die Direktversicherung verwandt werden.

Bei Verträgen ab 2005 sind dies 1.800 € für jedes Jahr der Beschäftigung.

Bei Arbeitslosigkeit verfällt der Anspruch aus der Direktversicherung nicht. Eine Anrechnung auf Hartz IV findet nicht statt.

 

Kündigung und Veräußerung

 

Für Direktversicherungen gibt es Verfügungsbeschränkungen. Eine vorzeitige Kündigung mit Anspruch auf den Rückkaufswert sowie eine Beleihung oder Abtretung sind erst nach Vollendung des 60. Lebensjahres erlaubt.

Möglich ist aber, die Direktversicherung beitragsfrei zu stellen, beispielsweise nach Aufgabe der Arbeitsstelle.

 

Steuerliche Behandlung

 

Für Verträge ab 2005 gilt die nachgelagerte Besteuerung. Beiträge sind steuer- und sozial versicherungsfrei.

Dafür müssen aber die Rente und/oder Einmalzahlungen nach den dafür geltenden Regeln versteuert werden, und es fallen darauf Sozialversicherungsbeiträge an.

 

Vor- und Nachteile für Arbeitnehmer

 

Direktversicherungen sind Lebensversicherungsverträge mit gegenwärtig (Januar 2014) geringer Rendite.

Der Garantiezins ist auf 1,75 % gefallen und wird sich eventuell 2015 noch weiter verringern.

Auch die Überschussbeteiligungen gehen gegenwärtig recht dramatisch zurück.

Andererseits ist eine Direktversicherung eine sichere Sache mit garantierten Ablaufleistungen als Rente oder Einmalzahlung.

Die nachgelagerte Besteuerung mindert die Ablaufleistung aus der Direktversicherung zusätzlich.

Allerdings sind die Einkünfte im Rentenalter in der Regel niedriger als während der Berufstätigkeit. Geringere Steuern und Sozialabgaben können die Folge sein.

Wird der Beitrag allein aus den Bruttoeinkünften ohne Sonderzahlungen des Arbeitgebers erbracht, verringert sich die Bemessungsgrundlage für soziale Leistungen mit negativen Auswirkungen auf die Höhe der gesetzlichen Rente und aufs Arbeitslosengeld.

Eine Direktversicherung lohnt sich vor allem für Arbeitnehmer mit einer privaten Krankenversicherung, denn sie müssen auf die Ablaufleistung insoweit keine Sozialabgaben entrichten.

Direktversicherungen sind darüber hinaus besonders vorteilhaft, wenn der Arbeitgeber die Beiträge über Sonderzahlungen ganz oder teilweise übernimmt.

 

Vorteile für Arbeitgeber

 

Besonders kleine Unternehmen profitieren von Direktversicherungen.

Denn sie können die Ansprüche ihrer Arbeitnehmer auf betriebliche Altersvorsorge ohne großen Aufwand erfüllen.

Rückstellungen oder Einzahlungen in Pensionskassen sind nicht erforderlich.

Bei Entgeltumwandlung entfallen Lohnnebenkosten. Sonderzahlungen zu Beiträgen sind als Betriebsausgaben absetzbar.

 

Wann sind Direktversicherungen gut?

 

Arbeitnehmer haben keinen Einfluss auf die Auswahl der Versicherungsgesellschaft. Der Arbeitgeber ist berechtigt, den Versicherer allein zu bestimmen

Die Höhe der Rendite wird maßgeblich durch die Kosten und durch das Anlagegeschick des Versicherers bestimmt.

Hohe Kosten reduzieren die Rendite spürbar. Arbeitnehmer können aber die Kosten einer Direktversicherung nicht nachvollziehen, denn sie werden nicht gesondert ausgewiesen.

Nach Möglichkeit sollten provisionsfreie Direktversicherungen über Gruppentarife abgeschlossen werden.

Durch Nachfrage beim Arbeitgeber kann geklärt werden, ob das der Fall ist.

Ein Indikator für eine günstige Direktversicherung ist die Höhe der garantierten Rente im Verhältnis zu den Leistungen anderer Direktversicherungen.

Ist die Garantieleistung höher als im Durchschnitt, spricht das für eine günstige Kostenstruktur und damit für eine gute Direktversicherung.

  • Updated 22. Dezember 2017