Fondsgebundene Kapitallebensversicherung teuer

Lebensversicherer sind stets bemüht, sich neue Kundenkreise mit Finanzprodukten zu erschließen, die eine höhere Rendite als klassische Kapital Lebensversicherungen jedenfalls theoretisch möglich machen.

Dazu gehören fondsgebundene Lebensversicherungen. Fondspolice ist eine andere Bezeichnung für diese Form der Lebensversicherung.

 

Was sind fondsgebundene Lebensversicherungen?

Sie sind eine Sonderform der kapitalbildenden Lebensversicherung, die sich durch drei charakteristische Merkmale auszeichnet.

Die fondsgebundene Kapitallebensversicherung investiert in Wertpapierfonds unterschiedlicher Risikostufen.

Anders als bei klassischen Lebensversicherungen trägt der Versicherungsnehmer, nicht die Versicherungsgesellschaft, das Kapitalanlagerisiko. Und schließlich gibt es keine garantierten Teile von Ablaufleistungen im Erlebensfall.

 

In welche Wertpapiere werden die Sparbeiträge angelegt?

Die Sparbeiträge können in Investmentfonds angelegt werden. Das können Rentenfonds, Geldmarktfonds oder auch Aktienfonds sein.

Bisweilen bieten die Versicherungsgeber auch Fonds an, die sich an bestimmten Wertpapierindizes orientieren und diese so weit wie möglich abbilden, zum Beispiel den Deutschen Aktienindex DAX.

 

Was bedeutet das Kapitalanlagerisiko für den Versicherungsnehmer?

Der Inhaber einer fondsgebundenen Lebensversicherung ist praktisch so gestellt, als hätte er die der Lebensversicherung zu Grunde liegenden Fondsanteile selbst ohne Einschaltung des Versicherers erworben.

Er trägt das Risiko der Wertentwicklung. Laufen die Papiere in einem gesunden wirtschaftlichen Umfeld gut, ist die Rendite ansehnlich, und die Ablaufleistung ist hoch. Im umgekehrten Fall können sogar Verluste eintreten, theoretisch bis hin zum Totalverlust.

Da fondsgebundene Lebensversicherungen sehr volatil sind, kann keine Garantie zur Höhe der Ablaufleistung übernommen werden. Bisweilen warten die Versicherer aber mit Prognosen auf, die auf der Wertentwicklung der Fonds in der Vergangenheit fußen.

Um es ganz klar zu sagen, diese Prognosen sind nichts wert. Wie wenig sich die Zukunft vorhersagen lässt, haben nicht zuletzt die jüngsten Entwicklungen im Zuge der Finanzkrise gezeigt.

Wer sich für fondsgebundene Kapitallebensversicherungen entscheidet, sollte auf eine möglichst lange Laufzeit achten, um von kurzfristigen Kursentwicklungen unabhängig zu sein. Das gilt vor allem bei Aktienfonds.

Unterdessen soll es auch fondsgebundene Lebensversicherungen geben, bei denen eine Anlage in Garantiefonds möglich ist oder eine bestimmte Leistung erbracht wird.

In der Regel können Versicherungsnehmer die Fonds aus einem Portfolio der Lebensversicherung auswählen und damit das Risikoprofil jedenfalls teilweise mitbestimmen.

 

Fondsgebundene Lebensversicherungen im Todesfall

Während es grundsätzlich keine garantierte Ablaufleistung im Erlebensfall gibt, sieht es für Zahlungen im Todesfall etwas anders aus.

Die Höhe der Versicherungssumme richtet sich nach dem Inhalt des konkret abgeschlossenen Lebensversicherungsvertrages. Ausgezahlt wird häufig die vereinbarte Versicherungssumme, die manchmal noch nachträglich geändert werden kann oder das Fondsguthaben, wenn dieses höher ist.

 

Wie errechnet sich die Versicherungssumme bei Vertragsbeendigung im Erlebensfall?

Der Versicherungsnehmer erhält einen Betrag, der dem Tageskurs aller Fondsanteile entspricht. Wichtig ist, welche Zahlungen bei vorzeitiger Beendigung einer fondsgebundenen Lebensversicherung geleistet wird.

Anders als bei der klassischen Kapital Lebensversicherung werden keine Rückkaufswerte errechnet und ausgezahlt. Grundlage bildet vielmehr der Wert aller Fondsanteile zum Auflösungstag. Häufig müssen jedoch Abschläge wegen der so genannten Kostenvorausbelastung in Kauf genommen werden.

Jeder, der eine fondsgebundene Kapital Lebensversicherung abschließen möchte, sollte sich zuvor genau über die Folgen einer vorzeitigen Vertragsauflösung informieren. Das ist von großer Relevanz.

Ungefähr 70 Prozent aller Kapitallebensversicherungen werden vorzeitig gekündigt, weil der Versicherungsnehmer Kapital benötigt.

 

Besondere Vertragsmerkmale & Risikominimierung

Verträge über fondsgebundene Lebensversicherungen sind komplex und für die Versicherten bisweilen nur schwer zu durchschauen. Deswegen ist eine fachmännische und unabhängige Beratung vor Abschluss einer fondsgebundenen Kapitallebensversicherung zu empfehlen.

Einige Sonderkonditionen ermöglichen eine Minimierung des Risikos und die Sicherung entstandener Gewinne. Sie müssen aber vertraglich vereinbart sein.

So gestatten manche Verträge die Umschichtung des eingesparten Vermögens in andere Fonds (shifting), oder den Versicherten wird gestattet, zukünftige Sparbeiträge in neue Fonds anzulegen.

Verluste zum Ende der Laufzeit können gegebenenfalls vermieden werden, wenn der Vertrag eine Verlängerungsoption vorsieht oder wenn eine Übertragung der Fondsanteile auf ein privates Depot zugelassen wird.

Manche fondsgebundenen Lebensversicherungen gestatten eine Anlagestrategie, die während der Laufzeit des Versicherungsvertrages entstandenen Gewinne sichern hilft.

So kann das Guthaben einige Jahre vor Vertragsablauf von risikoreichen (Aktien-)Fonds in weniger schwankungsanfällige Finanzprodukte automatisch umgeschichtet werden. Schließlich erlauben einige Lebensversicherer den Abruf von Teilbeträgen vor Laufzeitende.

Solche und ähnliche Vertragsbestimmungen sind für den Versicherten vorteilhaft aber auch mit einem entscheidenden Nachteil behaftet.

Je individueller der Inhaber einer fondsgebundenen Kapitallebensversicherung die Anlagestrategie beeinflussen kann, desto höher sind die renditemindernden Kosten.

 

 Steuer

Für Lebensversicherungsverträge, die seit 2005 abgeschlossen werden, sind einige Steuervorteile weggefallen. Erträge müssen nun grundsätzlich besteuert werden.

Eine Ausnahme gilt für fondsgebundene Lebensversicherungen sowie für klassische Lebensversicherungen, wenn die Laufzeit zwölf Jahre betragen hat und die Auszahlung frühestens mit Vollendung des 60. Lebensjahres erfolgt. In diesen Fällen wird nur die Hälfte der Erträge besteuert.

 

Vorteile und Nachteile

Mit fondsgebundene Kapitallebensversicherungen können Versicherte eine deutlich höhere Rendite erwirtschaften als mit der klassischen Kapital Lebensversicherung.

Zu den Vorteilen gehören ebenso die, wenn auch eingeschränkten, Steuererleichterungen. Anleger können auf akzeptable Erträge hoffen, wenn sie zu einem verhältnismäßig hohen Risiko bereit sind, eine lange Laufzeit wählen und den Lebensversicherungsvertrag nicht vorzeitig aufkündigen müssen.

Wie bei jeder Kapitalanlage in Wertpapiere gilt: Anleger sollten sich mit Wertpapiergeschäften auskennen, die gewählte Anlage ständig beobachten und nur Kapital verwenden, dass sie auf lange Zeit voraussichtlich nicht anderweitig benötigen.

Deswegen eignen sich fondsgebundene Lebensversicherungen unseres Erachtens nicht zur Grundversorgung im Alter neben einer Rente. Sie können aber sinnvoll sein, um zusätzliches Kapital zu bilden.

Allerdings gilt das mit zwei Einschränkungen. Die betreffen die Kosten und die im Durchschnitt schlechtere Performance von Fonds gegenüber anderen Finanzprodukten.

Die besonders hohen Kosten fondsgebundener Lebensversicherungen vermindern von vornherein die an sich mit einer Direktinvestition in dieselbe Geldanlage erzielbaren Renditen spürbar.

Darüber hinaus erreicht die überwiegende Anzahl von Aktienfonds niemals die Performance entsprechender Indices.

Hinzu kommt, dass nach Meinung von Experten die Fondsauswahl bei deutschen Lebensversicherungen recht eingeschränkt ist und damit die besten Fonds ausgeschlossen sind.

Die meisten großen Lebensversicherer sollen Vereinbarungen mit der DWS haben. Wer sich für fondsgebundene Lebensversicherungen interessiert, ist also nicht schlecht beraten, nach Indexpapieren Ausschau zu halten.

Eigentlich ist eine Trennung von Hinterbliebenenversorgung und zusätzlicher Altersversorgung wirtschaftlich sinnvoller als fondsgebundene Lebensversicherungen. Für die Hinterbliebenenversorgung wird eine gesonderte Risikolebensversicherung abgeschlossen und zur Kapitalbildung wird in renditestarke Fonds und Aktien investiert.

  • 3. Januar 2012