Indexpolicen: lukrative Altersvorsorge oder leere Ertragsversprechen?

Indexpolicen – das hört sich gut an, das klingt modern.

Klassische Lebensversicherungen mit den langweiligen Garantiezinsen, die bekanntlich seit Jahren fallen, sind jetzt passé.

Indexfonds oder ETFs (börsengehandelte Indexfonds) sind gegenwärtig in aller Munde.

Vor allem seit Ende der Finanzkrise garantieren sie nachhaltig gute Renditen, sofern sie mit Aktienindices unterlegt sind.

Warum also nicht auf den Zug aufspringen und Lebensversicherungen als Indexpolicen anbieten, wo doch Verbraucher mit solchen Produktnamen im Niedrigzinsumfeld außergewöhnliche Renditen verbinden?

Fast alle bekannten Lebensversicherer gehen mit diesem Werbetrick auf Kundenfang.

Versprochen werden bessere Ertragschancen als bei klassischen Lebensversicherungen mit den üblichen Garantiezinsen.

Wohl gemerkt: Ertragschancen nicht Erträge. Und die sollen sogar möglich sein, obwohl bestimmte Garantiezusagen abgegeben werden.

Garantiert wird das eingesetzte Kapital: Entweder die Summe aller Sparbeiträge, in Wirklichkeit eine gesetzliche Vorgabe, oder sogar die Summe der eingezahlten Bruttobeiträge einschließlich der Kostenanteile.

Renditen in Höhe von über 6 %, das liest man manchmal in den Prospekten für Indexpolicen. Viele Verbraucherportale und Fachpublikationen kommen zu einem anderen Ergebnis.

Bei genauerem Hinsehen würden mit Indexfonds vergleichbare Renditen nicht erzielt. Es könne sogar vorkommen, dass nicht einmal die schmalen Erträge herkömmlicher Lebensversicherungen erreicht werden.

Im Folgenden erklären wir, warum Indexpolicen allein unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten niemals eine gute Kapitalanlage für Verbraucher sind.

Das liegt nicht nur an den gegenüber Direktinvestitionen anfallenden Zusatzkosten, sondern auch an der Konstruktion vieler dieser Produkte.

Wie funktioniert eine Indexpolice?

Alle Indexpolicen folgen demselben Prinzip, wenn sie sich auch in Einzelpunkten unterscheiden. Sie kombinieren zwei Anlagestrategien.

Die Sparbeiträge (Prämienzahlungen abzüglich Kosten und Vermittlungsgebühren) werden konventionell im Deckungskapital der Versicherungsgesellschaft angelegt.

Das geschieht in der herkömmlichen Methode oft über festverzinsliche Rentenpapiere wie Bundesanleihen.

Die daraus resultierenden Überschüsse werden in Indexfonds oder ETFs auf Aktienindices angelegt. Meistens wird der Stoxx oder EuroStoxx gewählt.

In Betracht kommen kann aber außerdem der DAX. Die angeblich überdurchschnittlichen Erträge sollen also ausschließlich mit den Überschüssen aus den konservativ angelegten Beiträgen erwirtschaftet werden.

Die Versicherer investieren die Überschüsse jedoch meistens nicht direkt in ETFs, sondern schließen Optionsgeschäfte ab.

Optionen sind Wetten darauf, dass ein bestimmtes Ergebnis, zum Beispiel ein bestimmter Kurswert, zum Ende der Laufzeit oder während der Laufzeit eintritt.

Geht die Wette nicht auf, kann es zum Totalverlust kommen. Optionen und Optionsscheine sind hochspekulative Wertpapiere.

Wahlrecht und gesetzliche Garantien

Indexpolicen erlauben Anlegern regelmäßig ein Wahlrecht.

Nach Ablauf einer bestimmten Zeit, zum Beispiel nach einem Jahr, kann entschieden werden, ob die Überschüsse weiterhin in Optionsgeschäfte auf Indices oder konservativ angelegt werden sollen.

Manche Herausgeber von Indexpolicen erlauben beide Möglichkeiten zur gleichen Zeit.

Entsprechend der gesetzlichen Vorgabe dürfen gutgeschriebene Überschüsse aus konservativer Anlage oder aus Investitionen in Optionsgeschäfte auf Indices nicht verloren gehen.

Die hat der Anleger sicher. In der Fachsprache heißt das Lock-in. Nicht garantiert ist aber, dass solche Überschüsse überhaupt entstehen.

Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben müssen Versicherer demnach Garantien einhalten. Auch eingezahlte Beiträge bleiben erhalten.

Einige Versicherer garantieren nur die Sparbeiträge, während andere die Bruttobeiträge garantieren.

Eine Garantie der Bruttobeiträge, wie sie meistens abgegeben wird, ist oft an Mindestvertragslaufzeiten gebunden. Ebenfalls garantiert werden häufig Mindestrückkaufswert und lebenslange Mindestrenten.

Die Garantien gibt es aber nicht kostenlos. Anleger müssen dafür auf Gewinne verzichten. Zwei Wege stehen zur Verfügung. Manche Versicherer vereinbaren einen sogenannten Cap, andere eine Partizipationsquote

Cap, Quote und Verluste

Beim Cap werden Erträge durch eine Obergrenze gedeckelt. Der Cap wird monatlich angewandt. Mehr als der Cap erlaubt, kann ein Anleger also nicht verdienen. Das ist besonders bitter in Monaten mit überdurchschnittlichen Kursentwicklungen.

Die Höhe des Cups wird regelmäßig jährlich neu festgesetzt. Entstehen in einem Monat Verluste, werden diese jedoch nicht begrenzt. Der Anleger trägt sie allein. Gegenwärtig soll der Cap im Durchschnitt etwas mehr als 3 % betragen.

Am Ende des Versicherungsjahres werden die gekappten Gewinne mit den möglicherweise aufgetretenen Verlusten sondiert.

Das Ergebnis dieser Berechnung ist dann die sogenannte Indexpartizipation, der Überschuss also, der nach den Gesetzen nicht mehr verfallen kann.

Die Partizipationsquote funktioniert etwas anders.

Sie legt fest, wie hoch der prozentuale Anteil des Anlegers an einem möglichen Indexgewinn ist. Beispielsweise wird vereinbart, dass dem Anleger nur 70 % der Kursgewinne gutgeschrieben werden.

Verluste schlagen auch hier voll durch. Die Quote wird jährlich neu festgesetzt. Bei starker Volatilität der Börsen soll die Quote ein klein wenig vorteilhafter für den Anleger sein.

Beide Formen der Risikobegrenzung für Versicherer können in einigen Jahren Überschüsse in anderen Jahren überhaupt keine Renditen erwirtschaften.

Je höher der auf welche Weise auch immer gekappte Überschuss in einem bestimmten Jahr ist, desto höher sind die Ertragschancen in den folgenden Jahren und umgekehrt.

Unterschied zu fondsgebundenen Lebensversicherungen

Fondsgebundene Lebensversicherungen investieren direkt in Fondsprodukte aller Risikoklassen und geben im Prinzip das gesamte Kapitalanlagerisiko an den Versicherungsnehmer weiter.

Am Ende der Laufzeit besteht die Ablaufleistung im Wert der Fonds, in die investiert wurde. In einem sehr theoretischen Fall kann es zu einem Totalverlust kommen.

Allerdings gibt es auch bei diesem Produkt eine Reihe von Variationen.

Beispielsweise werden Mechanismen gefunden, die das Verlustrisiko begrenzen oder dem Anleger wird erlaubt, in den letzten Jahren von einer risikoreicheren Investition in Aktienfonds in beispielsweise Rentenfonds umzuschichten.

Nähere Informationen über die Vorteile und Nachteile fondsgebundener Lebensversicherungen und warum sie sich unter Renditegesichtspunkten regelmäßig nicht lohnen, bietet ein gesonderter Beitrag.

Indexpolicen: Nachteile, aber auch Vorteile?

Die Anbieter von Indexpolicen weisen darauf hin, dass die Ertragschancen höher sind als bei klassischen kapitalgebundenen Lebensversicherungen.

Gleichzeitig würde der Kapitalstock garantiert. Kritiker bestreiten das bisweilen. Zwar gebe es die gesetzlich vorgeschriebenen Garantien, aber die Rendite sei im Schnitt bei höheren Risiken nicht oder nicht wesentlich höher.

Wer Recht hat, das mag dahingestellt bleiben. Denn unseres Erachtens ist der Vergleich falsch.

Die Rendite von Indexpolicen kann sinnvollerweise nur verglichen werden mit der Rendite, die Anleger bei einer Direktinvestition in ETFs auf Indices erzielen können. Diese Rendite ist zwingend höher, weil Cups und Partizipationsquote entfallen.

Darüber hinaus entfallen bei der Direktinvestition in Aktienindices die Kosten, die mit jeder Lebensversicherung verbunden sind, wie Verwaltungsgebühren und Abschlusskosten.

Gebühren, die im Zusammenhang mit dem Handel von Wertpapieren entstehen, sind in beiden Fällen zu entrichten.

Bleibt das Verlustrisiko bei Direktinvestitionen. Es gibt keine Garantien, das ist richtig. Allerdings ist das Risiko, das eingesetzte Kapital zu verlieren, auch bei Direktinvestitionen in Aktienindices eigentlich nur theoretisch, wenn zwei Voraussetzungen erfüllt werden:

Die Investition erfolgt in solide Aktienindices und der Anlagehorizont ist langfristig. Beide Voraussetzungen gelten aber auch bei einer Investition in von Versicherungsgesellschaften aufgelegten Indexpolicen.

Ein Risiko der Indexpolicen wird häufig übersehen. Bei der Geldanlage gilt der Grundsatz, dass Anleger nur in Produkte investieren sollen, die sie auch verstehen.

Viele Indexpolicen investieren aber in komplizierte sogenannte Cliquet-Optionen, deren Preise und Ertragschancen nur mithilfe aufwendiger Computersimulationen (Monte-Carlo-Simulation) ermittelt werden können.

Versucht wird, die Wertentwicklung eines Underlyings (eines Indexes) zu mehreren festgelegten Zeitpunkten zu bestimmen, und dabei Gewinnuntergrenzen und Gewinnobergrenzen festzulegen.

Der Anleger trägt zudem das sogenannte Emittentenrisiko für diese Optionen. Herausgeber solcher Optionen sind Banken.

Kommt es zur Insolvenz, gibt es keinen Ersatz. In solchen Fällen entfällt also die Aussicht auf Überschüsse.

Schließlich gibt es bei Indexpolicen dieselben Probleme, die viele Rentenprodukte dieser Art aufweisen.

Öko-Test hat sich darüber Gedanken gemacht. Die Zeitschrift kommt zu dem Ergebnis, dass die in den Prospekten enthaltenen Prognosen mit Vorsicht zu genießen sind.

Eine Rendite auf das eingesetzte Kapital sei erst zu erwarten, wenn die Versicherungsnehmer 90 Jahre oder älter werden.

Nach Auffassung der Testzeitschrift müssen Versicherungsnehmer wenigstens 85 Jahre alt werden, um den Kapitaleinsatz herauszubekommen.

Vielleicht sind Indexpolicen eine geeignete Altersvorsorge für Verbraucher, die sich sicherer fühlen, wenn professionelle Anleger die Geldanlage für sie erledigen und deshalb Renditenachteile in Kauf nehmen.

Wer die Zeit und das Zutrauen hat, sowie bereit ist, sich das nötige Fachwissen anzueignen, der ist mit Direktinvestitionen sicher besser bedient. Entsprechend dem eigenen Risikoprofil lassen sich Indexfonds und festverzinslichen Geldanlagen miteinander kombinieren.

  • Updated 22. Dezember 2017