Lebensversicherung kündigen: Welche Alternativen gibt es?

Über die Hälfte der Policeninhaber möchten aus ihrer Kapitallebensversicherung aussteigen.

Das jedenfalls wird in der Fachpresse häufig behauptet. Ob diese Zahl so zutrifft oder nicht, klar ist, dass viele Verträge nicht zu Ende geführt werden.

Wer jedoch vorzeitig eine Lebensversicherung kündigt, der erleidet dadurch zunächst einmal wirtschaftliche Nachteile.

Viele wissen nicht, dass es Alternativen zu einer vorzeitigen Kündigung gibt, durch die finanzielle Einbußen wenigstens minimiert in seltenen Fällen ganz verhindert werden können.

Welche Alternativen infrage kommen, das hängt nicht zuletzt davon ab, warum Versicherungsnehmer eine vorzeitige Beendigung der Kapitallebensversicherung in Erwägung ziehen.

Drei Fallgruppen wird man gemeinhin unterscheiden können:

  • Der Versicherungsnehmer befindet sich in einer wirtschaftlichen Notlage und benötigt dringend Geld.
  • Eigentlich müsste die Lebensversicherung nicht aufgelöst werden, aber wegen der schlechten Ertragslage beschließt der Versicherungsnehmer, den Sparbetrag anderweitig zu verwenden, beispielsweise zur Finanzierung eines neuen Kraftfahrzeugs.
  • Der Versicherungsnehmer möchte in eine Geldanlage wechseln, die seiner Meinung nach eine höhere Rendite verspricht.

Verkauf von Kapitallebensversicherungen

Die vorzeitige Kündigung von Kapitallebensversicherungen, kann wegen niedriger Rückkaufswerte zu spürbaren wirtschaftlichen Nachteilen führen.

Auf der einen Seite werden alle Kosten verrechnet, auf der anderen Seite jedoch entfallen Überschussbeteiligungen.

Soll oder muss der volle Rückkaufswert realisiert werden, ist der Verkauf der Kapitallebensversicherung eine Alternative.

Der Verkauf wird über den Zweitmarkt für Kapitallebensversicherungen abgewickelt.

Die Kaufpreise liegen in der Regel etwas höher als der errechnete Rückkaufwert. Meistens können ca. 5 % bis 7 % höhere Erlöse erzielt werden.

Allerdings lässt sich nicht jede Kapitallebensversicherung verkaufen.

Die meisten Policenaufkäufer auf dem Zweitmarkt beschränken sich auf herkömmliche Kapitallebensversicherungen mit einem Rückkaufswert von wenigstens 10.000 Euro und einer Restlaufzeit von etwa 10 Jahren.

Fondsgebundene Versicherungen hingegen lassen sich nur schwer verkaufen.

Der Zweitmarkt ist in Deutschland, anders als in Großbritannien, nicht besonders etabliert.

Käufer sollten nur mit Policenaufkäufern Geschäfte machen, die Mitglied im Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt für Lebensversicherungen (BVZL) sind.

Policendarlehen und Bankdarlehen

Mit der Beleihung eines Lebensversicherungsvertrages über ein Policendarlehen oder ein durch die Lebensversicherung abgesichertes Bankdarlehen kann ebenfalls Liquidität hergestellt werden.

Eine Beleihung der Lebensversicherung ist meistens in Höhe von bis zu 90 % des Rückkaufwerts möglich.

Günstige Zinssätze sind ein Vorteil der Beleihung. Zudem wird grundsätzlich auf die Einschaltung der SCHUFA oder anderer Wirtschaftsauskunfteien verzichtet.

Echte Policendarlehen können jedoch zu Steuernachteilen führen und negative Auswirkungen auf die Ablaufleistung haben.

Beiträge stunden

Stundung bedeutet, dass die Beiträge zunächst für einen vereinbarten Zeitraum nicht gezahlt werden.

Die Zahlungen müssen aber am Ende des Stundungszeitraums nachgeleistet werden. Beitragsstundungen sind meistens bis zu zwei Jahren möglich.

Die meisten Versicherungsgesellschaften verlangen eine Verzinsung der gestundeten Prämien. Beitragsstundungen sind deshalb nicht unbedingt zu empfehlen.

Sie kommen bei vorübergehenden Zahlungsschwierigkeiten in Betracht, allerdings nur, wenn definitiv sichergestellt werden kann, dass die gestundeten Beträge am Ende des Stundungszeitraums tatsächlich aufgebracht werden können.

Lebensversicherung ruhen lassen

Gegenüber der Stundung besteht der Vorteil, dass die Beiträge während der Ruhephase vollständig entfallen. Es entstehen keine Verpflichtungen zur Nachzahlung.

Der Nachteil liegt in der entsprechenden Kappung der Versicherungsleistungen. Bei Kapitallebensversicherungen verringert sich also die Ablaufleistung.

Wer vorübergehend Zahlungsprobleme hat und den Lebensversicherungsvertrag nicht auflösen oder verkaufen möchte, der ist mit einer Ruhendstellung in der Regel besser bedient als mit einer Stundung.

Lebensversicherung beitragsfrei stellen

Bei der Beitragsfreistellung handelt es sich um eine Teilkündigung des Vertrages.

Soweit mit den bisherigen Prämien Sparbeiträge geleistet wurden, wird daraus die allerdings reduzierte Ablaufleistung zum Vertragsende errechnet.

Die genauen Regeln zur Beitragsfreistellung ergeben sich aus dem jeweiligen Versicherungsvertrag.

Oft muss eine bestimmte Summe bereits angespart sein, damit eine Beitragsfreistellung überhaupt möglich ist und nicht als vollständige Kündigung angesehen wird.

Versicherungsnehmer können neben der völligen Beitragsfreistellung auch die Versicherungsprämien nur reduzieren.

Natürlich ist dies nur mit Zustimmung der Versicherungsgesellschaft möglich. Eine Reduktion der Versicherungsbeiträge bedeutet immer eine Verringerung der Versicherungsleistungen, bei Kapitallebensversicherungen der Ablaufleistung.

Kosten sparen

Wer Kosten spart, der erhöht seine Rendite. Eine Umstellung etwa von monatlicher auf jährliche Beitragszahlung spart beispielsweise Verwaltungskosten.

Die Beitragsbelastung kann darüber hinaus verringert werden, wenn Zusatzleistungen wie Unfallversicherungen gekündigt werden.

Verbraucherschützer empfehlen regelmäßig, Kapitalbildung und Risikovorsorge voneinander zu trennen.

Häufig sind mit einer Kapitallebensversicherung verbundene Zusatzverträge zu teuer und gewähren außerdem nur unzureichenden Schutz.

Sparbeträge in andere Finanzprodukte investieren

Grundsätzlich dürften drei Möglichkeiten zur Verfügung stehen, um von einer bestehenden Kapitallebensversicherung in ein anderes Sparprodukt zu wechseln:

Anleger können die Lebensversicherung jetzt kündigen oder verkaufen und den Ertrag anderweitig anlegen.

Sie können ihre Lebensversicherung beitragsfrei stellen und die Beiträge stattdessen in andere Sparprodukte investieren.

Sie können einen Policenkredit mit dem Versicherungsgeber abschließen oder ein mit der Lebensversicherungspolice besichertes Darlehen bei einer Bank aufnehmen.

Ob sich der Wechsel in eine andere Kapitalanlage wirklich lohnt, ergibt ein Vergleich unter den Renditen.

Wie hoch wäre die Rendite voraussichtlich, wenn die Kapitallebensversicherung vertragsmäßig zu Ende geführt wird?

Diese Rendite muss mit der alternativen Geldanlage übertroffen werden.

Dabei sind auch alle Kosten zu berücksichtigen, die bei Vermögensumschichtungen erheblich sein können. Kosten sind Renditekiller.

Jede neue Kapitalanlage ist auch mit neuen Kosten verbunden.

Bei echten Policendarlehen, die von den Versicherungsgesellschaften gewährt werden, sind dies beispielsweise negative Auswirkungen auf die Ablaufleistung, Steuernachteile und Zinskosten.

Wird in Fonds investiert, entstehen Kosten durch Ausgabeaufschläge und durch die üblichen Handelsgebühren.

Der Bund der Versicherten bietet ein interessantes Online-Tool an.

Das Tool ermöglicht eine Abschätzung, ob sich eine vorzeitige Kündigung der Lebensversicherung bzw. der Rentenversicherung oder eine Beitragsfreistellung lohnen und wie hoch die Rendite der Ersatzinvestition sein muss:
https://www.bundderversicherten.de/Lebens-und-Rentenversicherungsrechner

Möchten Verbraucher eine höhere Rendite als mit ihrer Kapitallebensversicherung erwirtschaften, werden sie in der Regel in Produkte einer höheren Risikoklasse investieren müssen.

Das gilt vor allem, wenn ältere Verträge aufgelöst werden, die mit einer noch relativ hohen Garantieverzinsung ausgestattet sind.

Renditen höher als 4 % oder 5 % sind gegenwärtig (März 2016) ausschließlich mit Finanzprodukten zu erwirtschaften, die über einen deutlichen Aktienanteil verfügen. Alles andere ist unrealistisch.

Ältere Versicherungsnehmer, die einen lukrativen Altvertrag mit guter Verzinsung besitzen, sollten in der Regel von Umschichtungen Abstand nehmen.

Mit einer vorzeitigen Ablösung eines bereits länger laufenden Lebensversicherungsvertrages bringen sich Versicherungsnehmer um lukrative Überschussbeteiligungen und Schlussrenditen.

Auf der anderen Seite zahlen sich neue Investitionen in Wertpapiere regelmäßig ebenso wie Lebensversicherungen erst mittel- bis langfristig nach etwa 10 Jahren richtig aus.

Steuernachteile

Verbraucher, die eine bestehende Kapitallebensversicherung verändern möchten, sollten eigentlich immer den Rat von Experten einholen.

Welche Auswirkungen beispielsweise Verkäufe, Kündigungen oder Beitragsfreistellungen haben, lässt sich nur anhand des einzelnen Versicherungsvertrages beurteilen.

Manche Maßnahmen können in Einzelfällen zu steuerlichen Nachteilen führen. Ein Beispiel ist die Beleihung von Altverträgen durch Policendarlehen.

Welche steuerlichen Auswirkungen Policenkredite haben, richtet sich unter anderem danach, wann die Lebensversicherungen abgeschlossen wurden.

Policendarlehen können von der Finanzverwaltung als verkappte Versicherungsleistungen angesehen werden.

Eine Steuerpflicht kann dann beispielsweise bestehen, wenn sich die Ablaufleistung durch das Darlehen verringert oder wenn die Zinsen besonders günstig sind.

Nochmals: Ob steuerliche Nachteile entstehen oder nicht, ist abhängig von den Umständen des Einzelfalls.

Verbraucher sollten sich deshalb rechtzeitig mit ihrem Steuerberater oder einer anderen fachkundigen Person beraten, bevor sie irgendwelche Maßnahmen ergreifen.

Lohnen sich Lebensversicherungen noch?

Der Neuabschluss klassischer Kapitallebensversicherungen ist kaum noch zu empfehlen.

Gegenwärtig beträgt die Garantieverzinsung knapp über ein Prozent und die Überschussbeteiligungen sind durch gesetzliche Maßnahmen zur Stabilisierung der Versicherungswirtschaft eingeschränkt.

Lebensversicherer bieten nun allerdings moderne Produkte an, bei denen Ertragszusagen meistens völlig entfallen, allerdings der Kapitaleinsatz garantiert ist. Überraschenderweise sollen sich diese Produkte gut verkaufen.

Diese Finanzprodukte haben mit herkömmlichen Kapitallebensversicherungen so gut wie nichts zu tun.

Sie ähneln eher den schon länger angebotenen fondsgebundenen Kapitallebensversicherungen, bei denen das Renditerisiko vollständig beim Versicherungsnehmer liegt.

Sicherlich besteht mit den neuen Kapitallebensversicherungen die Chance auf eine angemessene Rendite.

Wer sie abschließt, muss sich um seine Kapitalanlage nicht mehr kümmern. Der Lebensversicherer ist praktisch der Vermögensberater, der die Kapitalanlage für den Kunden erledigt.

Das ist der eigentliche und einzige Vorteil dieser Form des Vermögensaufbaus.

Jedoch lassen sich die Lebensversicherungen diese Dienstleistung teuer bezahlen. Vermittlungsgebühren, andere Abschlusskosten und Verwaltungsgebühren mindern die Rendite.

Zudem wird nicht immer in die besten Finanzprodukte investiert, sondern eher in die nächstbesten, nämlich in diejenigen, die von einem „befreundeten“ Unternehmen herausgegeben werden.

Ein gutes Beispiel sind Indexpolicen. Sie investieren wohl in passiv gemanagte Indexfonds (ETFs). Solche Fonds verursachen selbst kaum Kosten, weil praktisch kein Management anfällt.

Warum nicht per Sparplan direkt in solche Indexfonds investieren und unnötige Kosten sparen?

Es gibt sie auf die verschiedensten Indices mit unterschiedlichen Risikoprofilen: Aktienindices, Rentenindices, gemischte Indices und anderes.

Die Manager dieser modernen Lebensversicherungsprodukte argumentieren damit, dass sie Kapitalgarantien gegen Verluste bieten.

Doch auch das muss der Anleger natürlich bezahlen. Zum Ausgleich solcher Garantien werden nicht alle möglichen Gewinne ausgezahlt, sondern nur bis zum Erreichen eines bestimmten Deckels (Cap).

Cap Zertifikate kann man jedoch auch ohne Einschaltung eines Lebensversicherers an der Börse erwerben.

Sie sind im Übrigen gar nicht empfehlenswert, wenn langfristig in werthaltige Indexfonds investiert wird.

Bei einem Sparplan beispielsweise auf einen Indexfonds, der mit dem S&P 500 oder mit dem MSCI World unterlegt ist, ist ein Verlust des eingesetzten Kapitals nach menschlichem Ermessen ausgeschlossen, sofern ein Anlagehorizont von 15 oder 20 Jahren besteht.

  • Updated 24. Februar 2018