Lebensversicherung beitragsfrei stellen

In bestimmten Fällen ist eine Freistellung der Lebensversicherung für Versicherungsnehmer vorteilhafter, als durch eine vorzeitige Kündigung die Lebensversicherung auflösen zu lassen oder die Versicherung auf dem Zweitmarkt zu verkaufen.

Das ist der Fall, wenn zwar keine größeren Geldbeträge benötigt werden, aber die regelmäßige Beitragszahlung gegenwärtig schwer fällt.

Eine Lebensversicherung beitragsfrei zu stellen, ist darüber hinaus erwägenswert, sofern die Beiträge in renditestärkere Geldanlagen investiert werden können.

Das Verfahren

Die Inhaber von Lebensversicherungen sind nicht verpflichtet, regelmäßig Beiträge zu entrichten. Sie können jederzeit die Lebensversicherung ruhen lassen.

Zur Klarstellung, dass man die Lebensversicherung stilllegen lassen möchte, ist eine schriftliche Benachrichtigung an den Versicherungsgeber sinnvoll und notwendig.

Wer eine junge Lebensversicherung beitragsfrei stellt, muss aber damit rechnen, dass der Lebensversicherer den Vertrag von sich aus auflöst und den – geringen – Rückkaufswert auszahlt.

Das ist dann der Fall, wenn ein bestimmtes beitragsfreies Mindestguthaben noch nicht erreicht ist. Um ein Mindestguthaben anzusparen, werden regelmäßig ein bis drei Jahre benötigt.

Lebensversicherung beitragsfrei stellen: Konsequenzen

Mit der Beitragsfreistellung ändert sich der Vertragsinhalt einer Lebensversicherung grundlegend.

Bereits durch die geleisteten Sparanteile im Beitrag erworbene Zinsansprüche und Überschussbeteiligungen bleiben zwar erhalten, aber die Ablaufleistung am Ende des Vertrages fällt natürlich geringer aus, weil weniger Beiträge eingezahlt wurden.

Geringere Leistungen

Die Ablaufleistung verringert sich darüber hinaus zusätzlich, wenn der Versicherer Stornogebühren für entgangene Beitragszahlungen erhebt.

Ist die Kapital Lebensversicherung mit einer Risikoversicherung kombiniert (der Normalfall), verringert sich die Versicherungssumme beim Tod des Versicherten ebenfalls.

Zusatzversicherungen entfallen

Zusatzversicherungen für Berufsunfähigkeit oder Unfalltod entfallen.

Allerdings bieten viele Versicherungen bei Beitragsfreistellung der Lebensversicherung für diese Zusatzleistungen Ersatzlösungen an.

Wird die Lebensversicherung beitragsfrei gestellt, verringern sich also die Leistungen. Eine andere Frage ist, was mit der Rendite auf das angesparte Kapital passiert.

Rendite steigt

Isoliert betrachtet ist diese Rendite häufig höher als bei Fortführung der Prämienzahlung. In erster Linie liegt das an den weggefallenen Zusatzbeiträgen für die Risikoversicherung.

Eine gute Entscheidungshilfe, ob es im Einzelfall sinnvoll ist, die Lebensversicherung beitragsfrei stellen zu lassen, ist der kostenlose Renditerechner von Finanztest, www.finanztest.de/kapitalleben.

Wiederaufnahme der Lebensversicherung

Ein Anspruch, nach der Beitragsfreistellung der Lebensversicherung die Prämienzahlungen wieder aufzunehmen, besteht nicht.

Allerdings ist das bei den meisten Versicherern kein Problem, wenn die Unterbrechung nicht zu lange gedauert hat. Viele Lebensversicherer erlauben außerdem die Nachentrichtung von Beiträgen.

Steuerliche Auswirkungen

Wer zu lange seine Lebensversicherung ruhen lässt, muss allerdings mit steuerlichen Nachteilen rechnen.

Für Versicherungen vor 2005 entfällt die Steuerfreiheit für Erträge nach zwei Jahren. Danach gilt eine Dreijahresfrist. Ab 2005 abgeschlossene Lebensversicherungen sind allerdings nur noch eingeschränkt steuerbegünstigt.

Erneute Gesundheitsprüfung  &  Alternativen

Wer seine Lebensversicherung länger als ein bis zwei Jahren beitragsfrei stellen lässt, muss bei der Wiederaufnahme von Prämienzahlungen mit einer erneuten Gesundheitsprüfung rechnen.

Einige Versicherungen bieten statt der Beitragsfreistellung der Lebensversicherung auch Ersatzlösungen an, wie die Beitragsstundung oder die Reduzierung des Versicherungsschutzes.

  • Updated 31. Dezember 2017