Dynamische Lebensversicherung

Verträge dynamisch zu gestalten, ist im Versicherungswesen nichts Ungewöhnliches. Damit soll eine Anpassung an veränderte Lebensverhältnisse erreicht werden.

Die Versicherungsleistungen werden in regelmäßigen Abständen erhöht und parallel dazu steigen die vom Versicherer zu erbringenden Beiträge.

Vor allem bei Lebensversicherungen findet man solche Vertragsgestaltungen. Der Abschluss einer dynamischen Lebensversicherung wird häufig zwar empfohlen, hat für den Versicherungsnehmer aber auch Nachteile.

 

Vertragsinhalt

Ausgehend von einem Grundbetrag werden Erhöhungen der Versicherungsleistung in regelmäßigen Abständen vereinbart. Die Prämien erhöhen sich in gleichem Maße.

Die Erhöhung findet immer auf der Basis der Daten des vorherigen Zeitraums statt. Bei der ersten Dynamisierung ist dies der ursprüngliche Beitrag mit der zu Beginn vereinbarten Versicherungsleistung.

Periodische Beitragserhöhungen können je nach Vereinbarung in Abständen von ein bis drei Jahren erfolgen.

Häufig besteht die Wahl zwischen einer prozentualen Dynamisierung in der Regel von 2 – 10 % oder einer indexgebundenen Dynamisierung. Als Index kann beispielsweise der Preisindex zur Lebenshaltung oder die Entwicklung des Höchstbetrages zur gesetzlichen Rentenversicherung herangezogen werden.

Bei der Berechnung der Anpassung werden jeweils die Restlaufzeit des Versicherungsvertrages und das Alter des Versicherungsnehmers berücksichtigt.

 

Beschränkung und Widerspruchsrecht

Eine einmal vereinbarte Dynamisierung muss nicht zwangsweise wahrgenommen werden. Der Versicherte hat ein Widerspruchsrecht, dass er innerhalb eines Monats ausüben kann. Wird mehr als zweimal widersprochen, entfällt die Dynamisierung der Lebensversicherung für die Zukunft.

Einige Tarife sehen vor, dass die Dynamisierung auf Teile der Versicherungsleistungen beschränkt werden kann.

Das ist für gemischte Lebensversicherungen interessant, die sowohl eine kapitalbildende Komponente für den Erlebensfall als auch Todesfallleistungen beinhalten. Hier kann zum Beispiel die Erlebensfallleistung dynamisiert werden.

 

Vorteile der dynamischen Lebensversicherung

Im Regelfall werden drei Vorteile genannt. Eine automatische Anpassung an den (gestiegenen) Lebensstandard, ein möglicher Inflationsausgleich sowie eine Erhöhung der Versicherungssumme, ohne dass eine erneute Gesundheitsprüfung erforderlich wird.

Bei klassischen Lebensversicherungen ist eine Erhöhung der Versicherung, wenn überhaupt, nur in Ausnahmefällen möglich (Heirat oder Geburt eines Kindes). In allen weiteren Fällen muss grundsätzlich ein neuer Vertrag mit erneuter Gesundheitsprüfung abgeschlossen werden.

Bei einer dynamischen Lebensversicherung soll die Gesundheitsprüfung selbst bei zwischenzeitlich schweren Erkrankungen entfallen.

 

Dynamische Lebensversicherung: Nachteile

Für die dynamische Lebensversicherung gilt in verstärktem Maße, was auch für die klassischen Kapital Lebensversicherungen gilt.

Gegenüber anderen Finanzprodukten ist die Rendite eher mager, vor allem in Zeiten ständig fallender Überschussbeteiligung. Deswegen raten viele Fachleute, die Dynamik zu kündigen und stattdessen die freiwerdenden Prämien anderweitig anzulegen.

Die Stiftung Warentest hat vor geraumer Zeit Modellrechnungen vorgenommen und festgestellt, dass die Nachteile gegenüber anderen Anlageformen umso größer werden, je höher die vereinbarte Dynamik und/oder je niedriger die Überschussbeteiligung ist (http://www.test.de/themen/versicherung-vorsorge/meldung/Lebensversicherung-Bestens-poliert-1077660-2077660/).

Der Grund für das besonders schlechte Abschneiden der dynamischen Lebensversicherung liegt vor allem in den hohen Kosten. Jede Beitragserhöhung gilt als Neuabschluss und verursacht Provisionen und Abschlusskosten.

  • 3. Januar 2012