Lebensversicherung: Auszahlung & Teilauszahlung

Die Auszahlung einer Lebensversicherung kommt aus unterschiedlichen Gründen in Betracht.

Wird die Lebensversicherung in der vertraglich vereinbarten Laufzeit zu Ende geführt, zahlt der Versicherer bei einer kapitalbildenden Lebensversicherung die Ablaufleistung aus.

Bei einer gemischten Lebensversicherung, einer Kombination aus Kapital Lebensversicherung und Risikolebensversicherung auf den Todesfall, wird beim Tod des Versicherten die für den Versicherungsfall vereinbarte Versicherungssumme geleistet, sofern er während der Vertragslaufzeit eintritt.

Mit Ablauf des Vertrages wird auch hier die Ablaufleistung fällig.

Teilauszahlungen während der Vertragslaufzeit gibt es, wenn sie ausdrücklich im Lebensversicherungsvertrag vorgesehen sind.

Die vorzeitige Auszahlung der Lebensversicherung ist Folge einer Kündigung vor Laufzeitende.

Auszahlung der Ablaufleistung bei Vertragsende

Die Ablaufleistung wird mit der Beendigung des Kapital Lebensversicherungsvertrages fällig. Ihre Höhe wird maßgeblich durch die Höhe der Beiträge und die Länge der Vertragslaufzeit bestimmt.

Die Ablaufleistung kann in einem Betrag oder als Rente ausgezahlt werden.

Sie setzt sich aus drei Teilen zusammen: der Summe der mit den Beiträgen geleisteten Sparanteile (Sparleistung), dem Garantiezins und der Überschussbeteiligung nebst möglichen Schlussboni sowie Beteiligungen an stillen Reserven.

Überschussbeteiligungen und Schlussboni können bei Vertragsabschluss nicht definitiv festgelegt, sondern nur geschätzt werden.

Anders als die durch Sparanteile gebildete Versicherungssumme und die Garantiezinsen werden Überschussbeteiligungen nicht garantiert.

Ihre Höhe hängt von vielen Faktoren ab, beispielsweise davon, wie die Lebensversicherung gewirtschaftet hat und ob sie die ihr anvertrauten Gelder geschickt angelegt hat.

Sehr entscheidend ist auch die allgemeine Entwicklung der Finanzmärkte. Die Überschussbeteiligung kann also deutlich höher sein, als bei Vertragsschluss geschätzt, aber ebenso erheblich niedriger.

Theoretisch ist es möglich, dass überhaupt keine Überschussbeteiligung ausgezahlt wird.

Lebensversicherungsgesellschaften müssen ihren Kunden die jeweiligen Rückkaufswerte mitteilen und schätzen die Ablaufleistungen jährlich neu.

Das ermöglicht den Versicherungsnehmern, die Wertentwicklung ihrer Kapital Lebensversicherung zu beobachten.

Ist die Performance schlecht, bestehen mehrere Möglichkeiten, die Beitragszahlungen zu beenden und die frei gewordenen Beiträge anderweitig anzulegen.

Die Lebensversicherung kann auf dem Zweitmarkt verkauft oder beliehen werden.

Sie kann beitragsfrei gestellt oder vorzeitig gekündigt werden. Im letzten Fall kommt es zu einer Auszahlung der Lebensversicherung in Höhe des zum Kündigungszeitpunkt errechneten Rückkaufswertes.

Vorzeitige Auszahlung der Lebensversicherung bei Kündigung

Bei Kündigung während der Laufzeit wird der aktuelle Rückkaufswert geleistet. Wer durch Kündigung eine vorzeitige Auszahlung der Lebensversicherung herbeiführt, erleidet immer wirtschaftliche Nachteile.

In den ersten Vertragsjahren ist der Rückkaufswert manchmal nicht höher als die Summe der eingezahlten Sparanteile.

Zwar hat der Bundesgerichtshof in einer im Juli 2012 veröffentlichten Entscheidung zur Höhe des Rückkaufswerts bei vorzeitiger Vertragsauflösung (IV ZR 201/10) die Rechte der Verbraucher erneut gestärkt.

Aber wirtschaftliche Nachteile entstehen bei einer vorzeitigen Ablösung der Lebensversicherung immer.

Das Urteil gilt für Verträge, die nach 2001 abgeschlossen wurden.

Mit Berufung auf rechtswidrige Vertragsklauseln werden mitunter Stornoabzüge und Provisionen in einem gesetzlich unzulässigen Maß vom Rückkaufswert abgezogen.

Es empfiehlt sich also, Rückkaufswerte bei vorzeitiger Vertragsauflösung fachmännisch überprüfen zu lassen und gegebenenfalls Nachforderungen zu stellen.

Überschussbeteiligungen werden nur teilweise berücksichtigt. Es gilt die Regel: je älter der Vertrag desto höher der Rückkaufswert. Denn die Überschussanteile steigen zum Laufzeitende besonders stark.

Teilauszahlung der Lebensversicherung vor Vertragsende

Eine Teilauszahlung der Lebensversicherung setzt die entsprechende vertragliche Vereinbarung voraus. Sie ist also nur bei bestimmten Versicherungstarifen möglich.

Eine Teilauszahlung beendet den Versicherungsvertrag nicht. Der Versicherungsnehmer erhält vielmehr einen Anteil eines bereits vorhandenen „Lebensversicherungsvermögens“.

Möglich sind je nach Tarif mehrere Teilauszahlungen. Der Vorteil ist, dass der Versicherungsnehmer nicht 20 – 30 Jahren auf sein Geld warten muss sondern darauf schon früher zurückgreifen kann.

Der Nachteil ist, dass regelmäßig eine geringere Gesamtleistung in Kauf genommen werden muss. Die Höhe der Teilauszahlungen richtet sich nach dem Deckungskapital oder Rückkaufswert.

Auszahlung der Lebensversicherung beim Eintritt des Versicherungsfalles

Wird eine Risikolebensversicherung abgeschlossen, als eigenständige Versicherung oder als Bestandteil einer gemischten Lebensversicherung, zahlt der Lebensversicherer den Bezugsberechtigten im Todesfall des Versicherten die vereinbarte Versicherungssumme aus.

Voraussetzung ist, dass der Lebensversicherungsvertrag im Zeitpunkt des Versicherungsfalles noch Bestand hat.

Auszahlung und Steuer

Bei Lebensversicherungen, die vor dem 1.1.2005 abgeschlossen wurden, muss der in der Auszahlung enthaltende Ertragsanteil nicht versteuert werden, wenn die Laufzeit zwölf Jahre und die Beitragszahlungsdauer mindestens fünf Jahre betragen hat.

Später abgeschlossene Lebensversicherungen unterliegen grundsätzlich der Steuer.

Der Ertragsanteil muss bei einer Mindestlaufzeit von zwölf Jahren aber nur zur Hälfte versteuert werden, wenn die Auszahlung der Lebensversicherung nach dem 60. Lebensjahr erfolgt.

  • Updated 24. Dezember 2017