Probleme mit Lebensversicherungen: wo beschweren?

Gibt es Auseinandersetzungen mit dem Lebensversicherer, müssen Verbraucher nicht gleich Klage einreichen.

Vielmehr haben sie die Möglichkeit, sich an eine der beiden Beschwerdestellen für Versicherungen zu wenden.

Sowohl der Ombudsmann für Lebensversicherungen als auch das BaFin (Bundesamt für Finanzdienstleistungsaufsicht) nehmen Beschwerden entgegen.

Allerdings sind die Aufgaben beider Institutionen unterschiedlich und entsprechend unterschiedlich werden auch die eingereichten Beschwerden gehandhabt.

Beide Stellen können allerdings nur tätig werden, wenn es um echte Probleme mit einer abgeschlossenen Lebensversicherung geht.

Dazu gehören zum Beispiel Auseinandersetzungen über die Rechtmäßigkeit eines Rückkaufwerts oder die richtige Berechnung einer Ablaufleistung.

Wurde der Versicherungsnehmer durch die Versicherung oder einen Vertreter beim Abschluss irregeführt, kann das auch ein Fall für die Beschwerdestellen sein.

Nicht beschwerdefähig ist beispielsweise, dass ein Vertrag über eine Lebensversicherung im Verhältnis zu Konkurrenzprodukten eine geringere Rendite verspricht.

 

Aufgaben des Ombudsmanns für Versicherungen und Anschrift

Der Ombudsmann für Lebensversicherungen ist ein echtes unabhängiges Schiedsgericht.

Die meisten Versicherungen unterwerfen sich den Schiedssprüchen des Ombudsmann. Seine Entscheidungen sind dann verbindlich.

Verbraucher mit einem konkreten Problem sollten sich deshalb an den Ombudsmann wenden.

Entweder entscheidet der Ombudsmann, dass die geltend gemachten Ansprüche ganz oder teilweise gerechtfertigt sind, oder dem Beschwerdeführer wird erklärt, warum seinem Anliegen nicht stattgegeben werden kann.

Im Jahr 2012 waren immerhin 23 % der Beschwerden erfolgreich.

Der Ombudsmann für Lebensversicherungen  ist unter der folgenden Anschrift erreichbar:

Versicherungsombudsmann e. V.
Postfach 080632
10006 Berlin
beschwerde@versicherungsombudsmann.de

Telefon: 0800 3699000 (kostenlos)

 

BaFin: Aufgaben und Anschrift

Beim BaFin geht es ausschließlich um den kollektiven Verbraucherschutz. Einzelfälle werden nicht entschieden und die Behörde erstellt auch keine Rechtsgutachten.

Das BaFin kann gegenüber einzelnen Versicherungsunternehmen aktiv werden, wenn sich Beschwerden über einen bestimmten Umstand oder über eine bestimmte Versicherung häufen.

Das BaFin wird dann die vorgetragenen Sachverhalte prüfen und gegebenenfalls aufsichtsrechtliche Maßnahmen in die Wege leiten.

Über den Fortgang des Verfahrens und dessen Abschluss erhält der Beschwerdeführer eine Nachricht.

Die Anschrift lautet:

Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
Graurheindorfer Straße 108
53117 Bonn
Telefon: +49 (0) 228 / 4108 – 0
Fax: + 49 (0)228 4108-1550
E-Mail: poststelle@bafin.de

Das BaFin verfügt über ein Verbrauchertelefon mit der Telefonnummer 0228 299 70 299.

 

Richtig beschweren

Versicherte sollten sich immer erst an den Vertragspartner, die betroffene Versicherungsgesellschaft, wenden.

Erst wenn sich der Lebensversicherer stur stellt, ist eine Beschwerde sinnvoll.

In der schriftlichen Beschwerde sollte der Sachstand kurz dargelegt werden.

Außerdem empfiehlt es sich, der Beschwerdestelle Kopien des gesamten Schriftverkehrs mit dem Versicherer sowie aller Vertragsunterlagen zur Verfügung zu stellen.

Zu den Vertragsunterlagen gehören die Police, die Versicherungsbedingungen, also das Kleingedruckte, sowie besondere Mitteilungen und alle Nachträge zum Versicherungsschein.

 

Beschwerdehäufigkeit bei Versicherern unterschiedlich

Im Jahr 2012 gab es insgesamt ca. 7500 Beschwerden über Lebensversicherungen.

Der Ombudsmann für Versicherungen erhielt 5500, BaFin Beschwerdestelle ca. 1950 Beschwerden.

Die Beschwerdehäufigkeit ist statistisch gesehen geringer, als man gemeinhin annimmt. Im Durchschnitt waren es zwei Beschwerden auf 100.000 Verträge.

Allerdings gab es „Ausreißer“ nach oben und nach unten.

Zahlen für ein Jahr sind in der Regel nicht besonders aussagefähig. Deswegen hat der Branchendienst MAP die Beschwerden der letzten zwölf Jahre ausgewertet.

Danach betrug die Quote 4  von 100.000 Versicherungsverträgen. Ausgewertet wurden 72 Versicherungen.

Bei der BaFin weisen eher kleinere Lebensversicherer die höchste Beschwerdequote auf.

Die Hamburger Leben (2012 keine Neuabschlüsse mehr) hat zum Beispiel 13 Beschwerden auf 100.000 Verträge gefolgt von Asstel mit zwölf Beschwerden.

Die Viktoria hat acht Beschwerden.

Allerdings weisen auch größeren Versicherer Beschwerdequoten über dem Durchschnitt auf. Bei der Nürnberger und der HDI sind es sieben Beschwerden.

Auch die Allianz liegt knapp über dem Durchschnitt.

Beim Ombudsmann gibt es etwas andere Zahlen. Negative Beschwerdequoten erreichen zum Beispiel die Postbank Tochter PB Leben und die Heidelberger mit je neun Beschwerden pro 100.000 Verträge sowie der HdI mit acht Beschwerden.

Die wenigsten Beschwerden gab es in der Statistik des Ombudsmann für Lebensversicherungen bei der InterRisk, dem Volkswohl Bund, der Süddeutschen, der Dialog, der Europa und der WGV.

Darüber hinaus gab es 15 Anbieter mit einer Quote von unter zwei Beschwerden auf 100.000 Verträge. Zu ihnen gehören die Ergo Leben, Debeka und die DEVK.

  • Updated 22. Dezember 2017