Lebensversicherung: Tipps für Policeninhaber und zum Neuabschluss

Lohnt es sich noch, eine neue Kapitallebensversicherung abzuschließen? Soll ich meine Lebensversicherungspolice besser auflösen und das Geld in andere Kapitalanlagen stecken?

Viele Verbraucher stellen sich diese Fragen. Angesichts der teils heftig geführten Diskussionen um die Zukunft von kapitalbildenden Lebensversicherungen besteht eine große Verunsicherung.

Zur Vertrauensbildung trägt nicht gerade bei, dass viele Versicherungsgesellschaften ihre Altbestände verkaufen, um sich von den hohen Abschlussleistungen zu befreien.

Manche Versicherer haben das Geschäft mit Kapitallebensversicherungen ganz eingestellt.

Wir haben einige Tipps zusammengestellt, die sowohl beim Neuabschluss von kapitalbildenden Lebensversicherungen als auch für die Auflösung bestehender Verträge eine Hilfe sein können.

Neuabschluss kapitalbildender Lebensversicherungen empfehlenswert?

Lohnt sich heute noch der Neuabschluss von Kapitallebensversicherungen? Sind Renditen der Maßstab, ist die Antwort eindeutig. Kapitallebensversicherungen lohnen sich nicht.

Das war übrigens niemals anders.

Wer Geld selbst anlegt, auf den kommen Kosten zu. Das können Courtagen, Depotkosten oder einfach nur Kontoführungsgebühren sein. Kosten verringern Renditen.

Wer die Geldanlage einem Lebensversicherer überlässt, der muss zunächst einmal für diejenigen Kosten aufkommen, die er bei einer eigenständigen Kapitalanlage hätte. Diese Kosten hat der Lebensversicherer ebenfalls, wenn auch in geringerer Höhe.

Zusätzlich entstehen Verwaltungsgebühren und Abschlussgebühren beim Lebensversicherer. Die trägt der Versicherte mit allen negativen Auswirkungen auf die Rendite auch noch.

Die doppelten Kosten können Renditen also erheblich reduzieren. Gegenwärtig gibt es aber noch zwei andere Probleme:

Die Garantiezinsen sind so gering, dass die Beitragsrendite bei herkömmlichen Kapitallebensversicherungen im Schnitt nur noch 0,5 % beträgt. Damit ist nicht einmal ein Inflationsausgleich zu bewerkstelligen.

Herkömmliche Kapitallebensversicherungen werden von den Versicherungsgesellschaften deshalb so gut wie überhaupt nicht mehr angeboten.

Stattdessen vertreiben die Lebensversicherer, sofern sie sich überhaupt noch mit Kapitallebensversicherungen befassen, „moderne“ Produkte, die meistens mit Indexfonds unterschiedlicher Risikoklasse unterlegt sind.

Diese fondsgebundenen Lebensversicherungen garantieren meistens nur noch die eingezahlten Beiträge.

Darüber hinaus tragen die Versicherten das Anlagerisiko, obwohl sie für den Abschluss der Kapitallebensversicherung und die Verwaltung ihres Kapitals hohe Gebühren aufbringen müssen.

Allein unter Renditegesichtspunkten ist es allemal effektiver, den Vermögensaufbau selbst in die Hand zu nehmen.

Mit der Aufteilung des zur Verfügung stehenden Sparbetrages auf Indexfonds und auf Tagesgeld ist dies einfach getan.

Andererseits können die neuen Kapitallebensversicherungen nicht in Bausch und Bogen verurteilt werden.

Immerhin wird das Anlagerisiko durch die Garantie der Beitragsrückzahlung begrenzt.

Es gibt flexible Produkte, die Anpassungen des Portfolios erlauben. Beispielsweise kann in den letzten Jahren vor Ablauf der Vertragszeit der Aktienanteil mit weniger risikoreichen Wertpapieren ausgetauscht werden.

Einige indexbasierten Lebensversicherungen ähneln Zertifikaten, bei denen Verlustrisiken aber meistens auch gleichzeitig Gewinnchancen gekappt werden.

Anleger, die sich nicht selbst um den Vermögensaufbau kümmern möchten, werden Renditeeinbußen vielleicht in Kauf nehmen und die neuen Kapitallebensversicherungsprodukte attraktiv finden.

Vor dem Abschluss: planen und informieren

Kapitallebensversicherungen haben meistens Laufzeiten zwischen 10 und 30 Jahren. Während dieser Zeit fallen regelmäßig Prämien an.

Überprüfen Sie eingehend, ob Sie die Prämienzahlungen dauerhaft leisten können. Müssen sie den Vertrag vorzeitig zur Unzeit beenden, entstehen wirtschaftliche Einbußen.

Informieren Sie sich genau über die Konstruktion der angebotenen Kapitallebensversicherung. Investieren Sie nur in Finanzprodukte, die sie verstehen und deren Anlagestrategie transparent ist.

Vergleichen Sie mehrere Produkte. Welche Garantien gibt es, welche Kosten entstehen, wie hoch sind die möglichen Renditen auf die geleisteten Beiträge?

Lassen Sie sich die Renditen auf alle geleisteten Beiträge, nicht nur auf die Sparbeiträge, ausrechnen.

Gerade bei den modernen Kapitallebensversicherungen ist ein Vergleich für Verbraucher schwierig.

Nehmen Sie fachmännische Hilfe in Anspruch, vor allem wenn größere Beträge investiert werden sollen.

Die Honorare für unabhängige Anlageberater sind in der Regel gut angelegtes Geld.

Viele Verbraucher können Lebensversicherungen etwas abgewinnen, weil das eingesetzte Kapital und die prognostizierten Renditen mehr oder weniger garantiert sind.

Gehören Sie zu diesem Anlegertyp? Dann erkundigen Sie sich genau nach den Garantien. Wählen Sie das Produkt mit den besten Garantien, selbst wenn damit auf Renditen verzichtet werden muss.

Risikovorsorge und Kapitalanlage trennen

Verschaffen Sie sich Klarheit über den Anlagezweck. Dient die geplante Versicherung zum Aufbau einer zusätzlichen Rente im Alter, ist eine Kapitallebensversicherung der richtige Weg.

Soll die Familie im Todesfall abgesichert werden, bedarf es keiner Kapitalversicherung. Vielmehr ist die Risikolebensversicherung die richtige Lösung.

Kombiprodukte sind oft teuer, und die mit einer Kapitallebensversicherung kombinierten Versicherungsleistungen häufig unzureichend.

Deswegen stehen Sie sich besser, wenn sie Risikovorsorge und Kapitalanlage voneinander trennen.

Das gilt auch für Berufsunfähigkeitsversicherungen, die gerne mit Kapitallebensversicherungen zusammen angeboten werden.

Zahlungsoptionen bei Beiträgen

Versicherer bieten in der Regel monatliche, quartalsweise, halbjährliche oder jährliche Beitragszahlung an.

Wählen Sie die jährliche Beitragszahlung, wenn ihr finanzieller Spielraum es ihnen erlaubt. Sie erhöhen damit die Rendite.

Vorsicht mit dynamischen Versicherungsprodukten.

Dynamische Versicherungen verursachen häufig hohe Nebenkosten sowie hohe Abschlusskosten und Verwaltungskosten.

Zudem ist die Kalkulation der möglicherweise zu erwirtschaftenden Rendite sehr schwierig.

Lebensversicherung vorzeitig kündigen oder verkaufen: Tipps

Viele kapitalgedeckte Lebensversicherungen werden nicht bis zum vertraglich vereinbarten Laufzeitende durchgehalten.

Erhebungen legen nahe, dass etwa die Hälfte aller Versicherungsverträge vorzeitig aufgelöst wird.

Die Gründe für eine vorzeitige Beendigung kapitalgedeckter Lebensversicherungen sind vielfältig:

Anleger glauben, mit einer anderen Geldanlage besser bedient zu sein oder sie können die Beitragszahlungen nicht mehr mühelos aufbringen.

Manchmal besteht einfach der Wunsch, das angesparte Kapital anderweitig zu verwenden.

In jüngster Zeit spielt darüber hinaus die Verunsicherung vieler Inhaber von Lebensversicherungspolicen eine Rolle.

Viele Versicherungsgesellschaften steigen aus dem Geschäft mit kapitalgedeckten Lebensversicherungen aus.

Sie bieten keine neuen Verträge mehr an und verkaufen ihre Bestände an Altverträgen.

Manchmal wird den Versicherungsnehmern nahegelegt, einen gut verzinsten Altvertrag zu kündigen.

Versicherer versuchen bisweilen, diese Verträge loszuwerden, weil sie angesichts des niedrigen Zinsniveaus für sie zu einem Minusgeschäft geworden sind und ihr Geschäftsergebnis belasten.

Keine kann Sie zwingen, entgegen den getroffenen Vereinbarungen aus einer Kapitallebensversicherung auszusteigen.

Wird Ihnen als Inhaber einer Police ein Verkauf mitgeteilt, besteht kein Grund zur Panik. Es ist nicht empfehlenswert, den Vertrag nur deshalb sofort zu beenden.

Zwar können Sie eine Übertragung Ihrer Police nicht verhindern, der Übertragungsvorgang unterliegt aber der Aufsicht der BaFin.

Die Finanzaufsicht überwacht, dass Verträge nur von einem Versicherer auf einen anderen Versicherer übertragen werden, und überprüft darüber hinaus die Zuverlässigkeit des Erwerbers.

Die bei Vertragsschluss garantierten Leistungen bleiben bestehen. Ihnen steht eine gesetzliche Mindestbeteiligung an den Zinserträgen und 90 % der Risikoüberschüsse zu.

Handelt es sich bei dem Vertrag um einen Altvertrag mit hoher Garantieverzinsung, bleibt diese Garantieverzinsung ebenfalls unberührt.

Dennoch kann sich ein Verkauf für den Versicherten negativ auswirken, weil der Aufkäufer schlechter wirtschaftet und deshalb niedrigere Abschlussleistungen zu befürchten sind.

Andererseits haben die Aufkäufer ebenfalls einen Namen zu verlieren.

Stellt sich heraus, dass der Aufkäufer unterdurchschnittlich schlechte Renditen (über die Garantieleistungen hinaus) erwirtschaftet, ist immer noch Zeit, über eine Auflösung des Lebensversicherungsvertrages nachzudenken.

Kapitallebensversicherungen kündigen

Die Kündigung löst den Rückkauf der Versicherung durch den Versicherungsgeber aus.

Der Versicherungsnehmer erhält den Rückkaufswert zuzüglich der bis zum Kündigungszeitpunkt entstandenen Überschussanteile abzüglich der anteiligen Abschlusskosten.

Ist ein Hinterbliebenenschutz vereinbart, endet dieser mit der Kündigung. Die vorzeitige Kündigung ist immer mit wirtschaftlichen Nachteilen verbunden.

Eine Kündigung sollte deshalb unseres Erachtens nur in Notfällen in Erwägung gezogen werden.

Zur Kündigung gibt es Alternativen, die in vielen Fällen wirtschaftlich attraktiver sind.

Verkauf von kapitalgedeckten Versicherungsverträgen

Kapitallebensversicherungen können über den sogenannten Zweitmarkt verkauft werden. Manchmal können die Kaufpreise den Rückkaufswert um einige Prozentpunkte übersteigen.

Ein Vorteil des Verkaufs ist, dass der Hinterbliebenenschutz teilweise erhalten werden kann.

Beim Verkauf sind einige Punkte zu beachten:

Viele Aufkäufer akzeptieren nur Verträge über herkömmliche Kapitallebensversicherungen (keine Fondsversicherungen).

Oft gibt es Mindestbeträge für den Rückkaufswert und Anforderungen an die maximale Restlaufzeit. Beispiel: Gekauft werden nur Lebensversicherungen mit einem Rückkaufswert von mindestens 5.000 Euro und einer Restlaufzeit von maximal zehn Jahren.

Manche Aufkäufer stellen besondere Anforderungen an das Rating der Lebensversicherungsgesellschaft.

Achten Sie darauf, dass der vereinbarte Kaufpreis sofort ausgezahlt wird und nicht in Teilbeträgen.

Am Zweitmarkt agieren leider nicht nur seriöse Aufkäufer. Holen Sie deshalb Erkundigungen bei Verbraucherverbänden ein.

Policen Direkt gehört zu den Marktführern und ist unseres Erachtens ein solider Aufkäufer, der gute Konditionen gewährt.

Wann kündigen oder verkaufen?

Die Auflösung oder der Verkauf einer Lebensversicherung sind nicht zu jedem Zeitpunkt ratsam.

Wer sich zur Unzeit von seiner Kapitallebensversicherung trennt, kann zusätzliche wirtschaftliche Nachteile erleiden (abgesehen von den Nachteilen, die immer mit einer vorzeitigen Auflösung entstehen).

In der Anfangsphase des Vertrages sind die Rückkaufswerte relativ gering und werden durch eine hohe Anrechnung von Abschlusskosten gemindert.

Ungefähr zehn Jahre dauert es, bis die Abschlusskosten sich amortisiert haben.

Junge Verträge werden darüber hinaus von soliden Aufkäufern kaum akzeptiert. Es bleibt also nur die häufig wenig attraktive Kündigung.

Beträgt die Laufzeit nur noch wenige Jahre, verschenkt der Policeninhaber sowohl durch einen Verkauf als auch durch eine Kündigung mögliche Schlussüberschüsse und andere Provisionen.

Beträgt beispielsweise die Restlaufzeit eines auf 30 Jahre abgeschlossenen Lebensversicherungsvertrages nur noch acht oder neun Jahre, empfiehlt es sich, die Lebensversicherung zu behalten.

Altverträge sind häufig gut verzinst. 3,5 % oder 4 % sind keine Ausnahme. Gegenwärtig ist es ausgeschlossen, Anlageprodukte zu finden, die in der gleichen niedrigen Risikoklasse eine ähnlich gute Rendite bieten.

Alternativen zu Kündigung oder Verkauf

Alle vorgeschlagenen Alternativen sind wirtschaftlich günstiger als eine vorzeitige Kündigung und meistens auch günstiger als ein Verkauf.

Zudem können Sie Beiträge sparen oder bereits angespartes Kapital verfügbar machen, ohne dass der Vertrag selbst angetastet wird.

Verträge können beitragsfrei gestellt werden oder es können Stundungsvereinbarung getroffen werden.

Dadurch reduziert sich der eingezahlte Sparbeitrag, aber die Überschussbeteiligungen auf die geleisteten Sparbeiträge bleiben bestehen.

Policendarlehen sind wirtschaftlich ein Vorschuss auf die Ablaufleistung. Sie können mit dem Versicherungsgeber vereinbart werden.

Der Höhe nach sind sie auf den aktuellen Rückkaufswert begrenzt.

Ist die Lebensversicherung fondsgebunden, wird der Wert der Fondsanteile ausgezahlt.

Zur Rückzahlung gibt es mehrere Modelle. Einzelheiten haben wir in einem gesonderten Beitrag dargestellt.

Schließlich können Lebensversicherungen als Sicherheit eines Darlehens bei der Hausbank dienen.

Die Darlehenshöhe richtet sich auch hier nach dem Rückkaufswert abzüglich eines Abschlags in Höhe von einigen Prozentpunkten.

  • 30. Dezember 2017