Zweitmarkt für Lebensversicherungen

Am Zweitmarkt für Lebensversicherungen werden gebrauchte Lebensversicherungen gehandelt.

In Deutschland können ausschließlich kapitalbildende Lebensversicherungen verkauft und gekauft werden.

Nur relativ wenige Lebensversicherungsverträge werden zu Ende geführt.

Vor allem Verträge mit langen Laufzeiten von 30 Jahren werden frühzeitig aufgehoben.

Schätzungen gehen von 70 % – 80% aller Kapitallebensversicherungen mit langer Laufzeit aus, die das vertraglich vorgesehene Ende nicht erreichen.

Vorteile für Käufer & Verkäufer

Werden Lebensversicherungen gekündigt, muss die Lebensversicherungsgesellschaft nur den sehr geringen Rückkaufswert erstatten.

Werden sie dagegen verkauft und vom Käufer bis zum regulären Laufzeitende fortgeführt, kann der Verkäufer einen um 5 – 10 % höheren Geldbetrag realisieren. Darin liegt der Vorteil für den Verkäufer.

Der Käufer erhält eine bestehende Lebensversicherung zu günstigen Bedingungen.

Er kann die auf zukünftige Sparanteile entfallenden Garantiezinsen und Überschussbeteiligungen realisieren, und je nach Kaufpreis ist sein Gewinn sogar noch etwas höher.

Besonders ältere Lebensversicherungsverträge sind attraktiv.

Denn der Garantiezins ist bei diesen Versicherungen erheblich höher als die gegenwärtigen 1,75 %. Das ist für den Käufer gebrauchter Lebensversicherungen ein Zusatzvorteil.

Auch die Versicherungswirtschaft müsste ein Interesse daran haben, dass Lebensversicherungsverträge nicht gekündigt sondern nach Verkauf vertragsgemäß abgewickelt werden.

Dadurch wird der Markt der Lebensversicherungen stabilisiert, und es werden Mittelabflüsse verhindert.

Zweitmarkt für Lebensversicherungen in Deutschland kaum genutzt

Während in England ein Zweitmarkt für Lebensversicherungen bereits seit 1844 existiert, gibt es ihn in Deutschland erst seit 1999.

Zuvor war der Handel mit Lebensversicherungen nicht erlaubt und Versicherte waren auf die Geltendmachung des Restwertes nach einer Kündigung angewiesen.

Zunächst gewann der Zweitmarkt ständig an Bedeutung. Doch im Zuge der Finanzkrise kam 2008 der Zusammenbruch.

Die Aufkäufer, geschlossene Fonds, waren nicht mehr bereit, gebrauchte Lebensversicherungen zu erwerben.

Die Umsätze gingen um fast 70 % zurück. Gegenwärtig scheint sich der Lebensversicherungs-Zweitmarkt aber wieder etwas zu erholen.

Neue Wege beim Lebensversicherungs-Zweitmarkt

Um dem Zweitmarkt wieder Leben einzuhauchen, haben einige Aufkäufer den Markt für Privatpersonen geöffnet, während er zuvor hauptsächlich institutionellen Anlegern zur Verfügung stand.

Der Handel von Lebensversicherungen erfolgt über Internetportale. Betreiber sind beispielsweise Policendirekt sowie die Börse Hamburg-Hannover.

Käufer wählen einen Betrag und eine Laufzeit aus und erhalten daraufhin entsprechende Angebote.

Bei den Versicherungsgesellschaften handelt es sich ausschließlich um bekannte Namen.

Käufer und Verkäufer brauchen unseriöse Angebote auf dem Zweitmarkt für Lebensversicherungen nicht zu fürchten, wenn sie sich an die Marktführer der Branche halten.

Unseriöse Geschäftspraktiken auf dem Lebensversicherungs-Zweitmarkt sind leicht zu durchschauen. Ein sicheres Anzeichen dafür sind unrealistisch hohe Gewinnsversprechen.

  • Updated 27. Dezember 2017