Lebensversicherung: lassen sich Steuern vermeiden?

Muss man Lebensversicherungen versteuern oder sind sie steuerfrei?

In den überwiegenden Fällen unterliegen die Ablaufleistungen, also die Beträge, die ausgezahlt werden, der Einkommenssteuer- oder der Schenkungssteuerpflicht.

Nur die Leistungen aus einer Risikoversicherung sind steuerfrei.

In einigen Fällen sind sogar Krankenkassenbeiträge zu entrichten.

Eine Besteuerung lässt sich in der Regel leider nicht vermeiden. Wer nicht aufpasst, tappt zusätzlich in Steuerfallen und zahlt Abgaben, die eigentlich nicht nötig wären.

Die Steuerregeln für Lebensversicherungen haben sich im Laufe der Zeit geändert.

Ältere Kapitallebensversicherungen bzw. Rentenversicherungen mit Kapitalwahlrecht werden anders besteuert als neuere Verträge.

Die folgenden Ausführungen geben den Stand vom Januar 2016 wieder.

Es handelt sich um eine allgemeine Information, die nach bestem Wissen zusammengestellt wurde. Um eine Rechtsberatung handelt es sich aber nicht.

Steuern bei Vertragsschluss vor 2005

Kapitallebensversicherungen, deren Urkunden vor dem 1. Januar 2015 ausgestellt und deren Erstbeitrag bis zum 31. März 2005 bezahlt wurden, können steuerfrei bleiben, sofern die Ablaufleistung als Einmalbetrag ausgezahlt wird.

Voraussetzungen sind eine Laufzeit von mindestens zwölf Jahren sowie eine Beitragszahlungsdauer von fünf Jahren.

Das bedeutet, die Versicherung darf höchstens sieben Jahre beitragsfrei gestellt sein.

Entscheiden sich Versicherungsnehmer für monatliche Auszahlungen in Raten (Rentenvariante), muss der Ertragsanteil versteuert werden.

Der Ertragsanteil wird regelmäßig vom Versicherer berechnet. Er ist abhängig vom Eintrittsalter.

Je früher die Rente in Anspruch genommen wird, desto höher ist der Ertragsanteil.

Besteuerung bei Verträgen ab 2005 bis zum 31. März 2009

Bei Verträgen die nach dem 31.12.2004 abgeschlossen wurden, gibt es grundsätzlich keine steuerfreien Auszahlungen mehr.

Vielmehr muss nach dem Alterseinkünftegesetz voll versteuert werden, natürlich nur die Erträge.

Wird jedoch die Ablaufleistung als Kapitalabfindung einmalig ausgezahlt, muss unter bestimmten Voraussetzungen lediglich die Hälfte des Kapitalanteils versteuert werden:

Die Auszahlung ist nach Vollendung des 60. Lebensjahres (bei Verträgen ab 2012 des 62. Lebensjahres) erfolgt.

Die vertragliche Mindestlaufzeit beträgt wenigstens zwölf Jahre.

Besonderheiten bei Verträgen ab dem 1. April 2009

Es gelten die gleichen Voraussetzungen zur Ertragsbesteuerung wie im vorherigen Kapitel.

Doch erschien dem Gesetzgeber diese Regelung offenbar zu einfach. Deshalb hat er eine weitere Bedingung hinzugefügt:

Jetzt muss der so genannte Todesfallschutz, also der Risikoanteil, wenigstens 50 % betragen (Paragraph 20 Abs. 1 Nr 6 Satz 6 Buchstabe a ESTG).

Das bedeutet, für die Risikoversicherung auf den Todesfall müssen insgesamt mindestens 50 % der gesamten Beiträge aufgewendet werden.

Beispiel: alle Beiträge zusammengerechnet belaufen sich auf 100.000 €. Für den Todesfallschutz müssen mindestens 50.000 € vorgesehen sein.

Zusätzlich muss (Paragraph 20 Abs. 1 Nr 6 Satz 6 Buchstabe b EStG) die vereinbarte Todesfallleistung das Deckungskapital oder den Zeitwert spätestens fünf Jahren nach Vertragsschluss um mindestens 10 % des Deckungskapitals, des Zeitwerts oder der Summe der gezahlten Beiträge übersteigen.

Wird die Ablaufleistung in Rentenform erbracht, muss der Ertragsanteil in allen Fällen versteuert werden.

Lebensversicherung und Krankenkassenbeiträge

Bei privat abgeschlossenen Lebensversicherungs- oder Rentenverträgen ist der Krankenkassenbeitrag kein Thema.

Anders sieht es aus, wenn eine steuerlich begünstigte Direktversicherung oder eine Betriebsrente abgeschlossen werden.

Hier kann die Krankenkasse Ansprüche auf die vollen Beiträge haben – entweder auf die Einmalzahlung oder in jeweils auf die monatliche Rentenzahlung.

Tipp: die Frage, ob eine Pflicht zur Entrichtung von Krankenkassenbeiträgen besteht, kann im Einzelfall schwierig zu beantworten sein.

Holen Sie deshalb den Rat von Experten (Verbraucherzentrale, Fachanwälte) ein, wenn sie mit Forderungen der Krankenkasse konfrontiert werden. Hier werden einige Grundsätze dargestellt:

  1. Ist der begünstigte einer Direktversicherung freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert, fallen, soweit ersichtlich, Krankenkassenbeiträge immer an.
  2. Ist der begünstigte hingegen privat krankenversichert, zahlt er auf Ablaufleistungen keine Beiträge.
  3. Bei gesetzlich pflichtversicherten gilt grundsätzlich folgendes: sind Arbeitnehmer selbst als Versicherungsnehmer in die Police eingetragen (kein Gruppenvertrag), und zahlen sie die Beiträge selbst, entfällt eine Krankenversicherungspflicht auf die Ablaufleistung.
  4. Wird eine Direktversicherung abgelöst und von dem Arbeitnehmer als Versicherungsnehmer fortgeführt, entsteht ein anteiliger Beitragsanspruch der Krankenkasse auf die durch die privilegierten Beiträge vor der Ablösung erworbenem Ablaufleistungen.
  5. Wichtig: besteht ein Gruppenvertrag, bei dem der Arbeitgeber Versicherungsnehmer ist, muss der Vertrag auf den Arbeitnehmer umgeschrieben werden. Bleibt der Arbeitgeber Versicherungsnehmer, kommt es zu keiner Beitragsfreiheit.

Die Versicherungen geben eine Bescheinigung über die Herkunft der Versicherungsbeiträge zur Vorlage bei der Krankenkasse aus. Diese Bescheinigung muss gegebenenfalls angefordert werden.

Ertragsanteil

Werden Kapitallebensversicherungen in einer Summe ausgezahlt, errechnet sich der Ertragsanteil einfach nach der Formel Auszahlungen minus geleisteter Beiträge.

Sofern nach den oben skizzierten Regeln eine Steuerpflicht besteht, können die Sparerpauschbeträge abgezogen werden (801 € für Ledige, 1602 € für Verheiratete).

Regelmäßig führt der Versicherer 25 % Abgeltungssteuer auf den festgestellten steuerbaren Ertrag zuzüglich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer ab und erteilt darüber eine Bescheinigung.

Greift die ermäßigte Besteuerung (Günstigerprinzip) muss eine Steuererklärung abgegeben werden mit einer Angabe über die gezahlte Abgeltungssteuer.

Tipp: geleistete Vermittlungsgebühren für den Abschluss des Versicherungsvertrages sind Anschaffungskosten, die den steuerpflichtigen Ertragsanteil verringern.

Diese Kosten können in der Steuererklärung des Auszahlungsjahres geltend gemacht werden. Zum Nachweis muss der Versicherer gegebenenfalls eine gesonderte Bescheinigung erteilen.

Bei Auszahlung der Ablaufleistung als Rente ist der Ertragsanteil der Zinsertrag während des Rentenbezugs.

Seine genaue Berechnung ist abhängig vom Renteneintrittsalter und von der Rentenart (siehe auch die Tabellen in Paragraph 22 EStG).

Vorzeitige Kündigung

Eine vorzeitige Kündigung löst die Auszahlung nur des Rückkaufswerts zum Zeitpunkt der Kündigung aus.

Schon dadurch entstehen wirtschaftliche Einbußen. Weitere Nachteile können entstehen, weil Steuern durch die Auszahlung des Rückkaufwertes ausgelöst werden.

Besteuert werden kann, grob gesagt, die Differenz zwischen eingezahlten Beiträgen und ausgezahlten Beträgen.

Rückkaufswerte aus Altverträgen vor dem 1. Januar 2005 sind besteuerbar, wenn eine der unter Punkt 1 genannten Voraussetzungen fehlt.

Nach einem Urteil des Finanzgerichts Niedersachsen, sind bei grundsätzlicher Steuerpflicht sogar dann Erträge auf Sparbeiträge zu versteuern, wenn der Rückkaufswert die Summe der eingezahlten Beiträge nicht erreicht (12 K 10521/05).

Rückkaufswerte aus Verträgen ab 2005 sind entsprechend den allgemeinen Regeln zu besteuern (siehe Punkt 2 ff).

Wird also die Police vor Ablauf von zwölf Jahren oder vor dem 60. (bzw. 62.) Lebensjahr gekündigt, ist der volle Ertragsanteil steuerpflichtig.

Beleihung und Steuern

Policendarlehen sind häufig eine bessere Alternative zur vorzeitigen Kündigung, können aber ebenfalls negative steuerliche Auswirkungen haben.

Vor allem Verträge nach dem 31.12.2009 sind betroffen.

Eine Steuerpflicht entsteht, wenn die Zinsen bei Policendarlehen privilegiert sind.

Sind die Schuldzinsen niedriger als bei einem normalen mit dem Versicherungsvertrag gesicherten Kredit, entsteht im Grundsatz eine Steuerpflicht.

Eine Steuerpflicht entsteht außerdem, wenn sich durch den Policenkredit die Versicherungssumme verringert.

Ältere Verträge die vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossen wurden, sind von der Steuerpflicht betroffen wenn sie bei Eingehung des Policenkredits noch keine zwölf Jahre bestehen oder die Todesfallleistung weniger als 60 % der Beitragssumme ausmacht.

Die Voraussetzungen für die Steuerfreiheit lassen sich nicht generalisieren, sondern hängen vom Einzelfall ab.

Vor Aufnahme eines Policendarlehens sollte immer fachlicher Rat eingeholt werden.

Vorsicht: werden die Darlehenskosten des Policenkredits als Werbungskosten oder Betriebsausgaben geltend gemacht, sind die Erträge nicht mehr steuerprivilegiert, und auch die Versicherungsbeiträge können steuerlich nicht mehr berücksichtigt werden.

Besteuerung bei Verkauf

Zu versteuern ist der Ertragsanteil, sofern grundsätzlich eine Steuerpflicht besteht (siehe Ziffer 1 ff).

Verträge vor dem 1. Januar 2005 sind steuerfrei, wenn der Vertrag wenigstens zwölf Jahre bestanden hat und fünf Jahre Beiträge entrichtet wurden.

Der Todesfallschutz muss 60 % betragen. Fehlt eine Voraussetzung bei Verkauf muss Abgeltungssteuer gezahlt werden.

Spätere Verträge sind immer abgeltungssteuerpflichtig.

Der Veräußerungsgewinn errechnet sich aus der Differenz zwischen Kaufpreis und der Gesamtsumme der Beiträge. Ist letzterer höher als der Kaufpreis, entfällt die Steuer.

Achtung: der Käufer einer Police zahlt immer Steuern, besonders wenn er den Vertrag vorzeitig kündigt, um den Erlös anderweitig anzulegen. Die Versicherung zahlt den Rückkaufswert immer abzüglich der Steuern aus.

Die allgemeinen Geschäftsbedingungen mancher Policenhändler wälzen diese Steuerlast auf den Verkäufer ab, obwohl die Abgeltungssteuer häufig durch Verrechnung mit der Körperschaftsteuer komplett erstattet wird (siehe dazu Test.de vom 20.3.2012).

Steuerfalle Auszahlung an Nichtbegünstigte

Um unnötige Steuern zu vermeiden, muss die Auszahlung immer zweifelsfrei an den Begünstigten erfolgen.

Das wird oft übersehen, wenn ein Gemeinschaftskonto im Versicherungsvertrag als Bankverbindung angegeben wird.

Beispiel: A und B verfügen über ein Gemeinschaftskonto. A ist der einzige Begünstigte aus einer Kapitallebensversicherung.

Die Versicherungssumme, die einen steuerbaren Ertragsanteil von 100.000 € enthält, wird dem Gemeinschaftskonto gutgeschrieben. Die Folge: A hat B 50.000 € geschenkt.

Diese Schenkung unterliegt jetzt der Schenkungssteuer. Bei der Schenkungssteuer sind alle Beträge steuerpflichtig, die den nach Verwandtschaftsgraden gestaffelten Freibetrag überschreiten.

Die Freibeträge beziehen sich immer auf alle unentgeltlichen Zuwendungen der letzten zehn Jahre. Diese Zuwendungen werden zur Bestimmung des Freibetrages zusammengerechnet.

Leben A und B ohne Trauschein zusammen, beträgt der Freibetrag gegenwärtig (Januar 2016) 20.000 €.

In unserem Beispiel müsste B also Schenkungsteuer auf 30.000 € zahlen, sofern in den vergangenen zehn Jahren keine weiteren Zuwendungen erfolgten.

Bei Verheirateten oder in eingetragener Lebensgemeinschaft Lebenden beläuft sich der Freibetrag hingegen auf 500.000 €.

Lebensversicherung und Erbschaftssteuer

Auszahlungen aus Kapitallebensversicherungen unterliegen der Erbschaftssteuer. Die Freibeträge sind genauso hoch wie bei der Schenkungssteuer.

Es gibt jedoch eine Möglichkeit für Paare, diese Steuer jedenfalls deutlich zu verringern. Dazu müssen sie zwei Lebensversicherungsverträge abschließen und sich wechselweise „über Kreuz“ versichern.

Beide schließen eine Lebensversicherung ab. Sie versichern aber nicht ihr eigenes Leben, sondern das Leben ihres Partners. Als Begünstigter wird also jeweils der andere Partner eingetragen.

Die Folge: Der überlebende Ehepartner ist immer auch der Begünstigte aus dem Vertrag des verstorbenen Partners. Die Auszahlung dieser Lebensversicherungssumme fällt nicht in die Erbschaft. Sie ist nicht erbschaftssteuerpflichtig.

Was passiert mit der zweiten Lebensversicherung, die der überlebende Partner für den verstorbenen Partner als den Begünstigten abgeschlossen hat?

Dieser Vertrag wird mit dem Tod Teil der Erbmasse. Aber für die Bemessung der Steuer wird lediglich der Ertragsanteil aus dem Rückkaufswert angesetzt.

  • Updated 22. Dezember 2017