Kapitallebensversicherung: Steuererklärung & Abgeltungssteuer

Die Steueränderung zum 1.1.2005 hat deutliche Nachteile für die beliebte klassische Kapitallebensversicherung gebracht.

Die steuerliche Absetzbarkeit der Beiträge ist teilweise abgeschafft worden. Eine weitere kleine Änderung gilt ab 2017.

Bei der Auszahlung wird jetzt Abgeltungssteuer auf die Lebensversicherung erhoben; genauer gesagt, auf deren Ertragsanteil.

Wann ist es dennoch sinnvoll, eine Kapitallebensversicherung in die Steuererklärung aufzunehmen?

Das sind die Themen dieses Artikels.

Außerdem wird das Verhältnis von Lebensversicherung und Erbschaftssteuer unter Berücksichtigung des neuen Rechts von 2005 und 2009 dargestellt.

 

Ist die Lebensversicherung steuerlich absetzbar?

Beiträge für eine Lebensversicherung waren nie grenzenlos steuerlich absetzbar. Immer gab es Höchstbeträge für den Abzug.

Mit der Änderung der Steuergesetze zum 1.1.2005 werden zwar die Altverträge, die bis zum 31.12.04 abgeschlossen wurden, nicht benachteiligt.

Aber die schlechte Nachricht ist: Seit 1.1.2005 sind die Beiträge zur klassischen Kapitallebensversicherung nicht mehr in der Steuererklärung absetzbar.

 

Zulagen bei Produkten zur Altersvorsorge

Anders ist es bei langfristig angelegten, auf die Altersvorsorge ausgerichteten Versicherungen, wie beispielsweise die Riesterrente.

Da ist ein Ansatz der geleisteten Beiträge als Altersvorsorgeaufwendungen in der Anlage AV möglich, jedoch nur im Rahmen von Höchstbeträgen.

Viel wichtiger als solch ein steuerlicher Abzug ist die Tatsache, dass solche zertifizierten privaten Rentenversicherungen staatlich mit Zulagen gefördert werden.

Das ist zwar etwas kompliziert aber besonders für Eltern mit Kindern interessant.

Die Beiträge (4 % des Bruttogehalts) für eine solche Rentenversicherung sind nicht zu versteuern.

Bei Verheirateten erhält jeder Ehepartner eine Zulage, und daneben gibt es für Kinder (seit 2008) eine Zulage von bis zu 300 Euro jährlich.

Die Zulagen werden direkt auf den Vertrag eingezahlt. Wichtig ist es zu wissen, dass die Zulage beim Versicherer beantragt werden muss. Das wird leider von vielen Versicherten vergessen.

Trotz der Zulagen können Steuerpflichtige die Beiträge zu einer solchen Versicherung im Rahmen ihrer Steuererklärung mit der Anlage AV geltend machen.

Das Finanzamt prüft bei der Einkommensteuererklärung, ob die Zulage für den Steuerpflichtigen günstiger ist, oder ob es günstiger ist, die Versicherungsbeiträge als Sonderausgaben abzuziehen.

 

Sind Auszahlungen aus der Lebensversicherung steuerfrei?

Diese Frage stellt sich für Kapitallebensversicherungen, die seit 1.1.2005 abgeschlossen wurden, nicht mehr.

Diese Lebensversicherungen sind nicht mehr steuerfrei. Besteuert wird der Ertragsanteil, also Endbetrag abzüglich eingezahlter Beträge.

Versicherungsnehmer, die über 60 Jahre alt sind (62 Jahre ab 2012) und nach einer Mindestlaufzeit des Vertrages von 12 Jahren die Auszahlung in einer Summe erhalten, brauchen nur die Hälfte des Ertragsanteils zu versteuern.

Sind diese drei Bedingungen (Alter 60, Laufzeit 12 Jahre, Einmalzahlung) nicht erfüllt, wird der gesamte Ertrag versteuert.

Bei der Auszahlung der Versicherungen werden automatisch 25 % Abgeltungssteuer (Stand 2011) auf den Ertragsanteil berechnet, von den Versicherungsgesellschaften einbehalten und an die Finanzämter abgeführt.

Beginnend mit dem Jahr 2017 gibt es offenbar eine weitere kleine Änderung.

Jetzt muss die Hälfte des Ertragsanteils mit dem individuellen Steuertarif versteuert werden.

Das gilt auch bei Verträgen mit Kapitalwahlrecht, wenn die Einmalzahlung in Anspruch genommen wird.

Achtung: Tarifumstellungen und Vertragsanpassungen können negative steuerrechtliche Folgen haben. Werden wesentliche Merkmale des Vertrages geändert, beginnt die Laufzeit wieder von vorn.

Wesentliche Merkmale können beispielsweise die Erhöhung der Versicherungssumme oder die Verkürzung der Vertragslaufzeit sein.

Ein steuerbegünstigter Vertrag kann dadurch zu einem Lebensversicherungsvertrag werden, dessen Einmalzahlung der Steuer unterliegt.

Allerdings gilt dies nicht für jede Tarifumstellung. Wird auf Angebot der Versicherungsgesellschaft beispielsweise der Garantiezins gesenkt oder ganz aufgehoben, liegt keine steuerschädliche Tarifumstellung vor.

Versicherungsnehmer sind allerdings gut beraten, sich vor jeder Tarif Umstellung über die steuerrechtlichen Folgen zu informieren.

 

Abgeltungssteuer

Der Ausdruck „Abgeltungssteuer“ bedeutet, dass damit die Steuer für diese Einkünfte völlig abgegolten ist und in der Steuererklärung nicht mehr erfasst zu werden braucht.

Für alle, die mit ihrem persönlichen Steuersatz darüber liegen, ist das günstig. Alle, die mit ihrem persönlichen Grenzsteuersatz unter 25 % liegen, haben also zunächst einen Nachteil.

Den können sie beheben, wenn sie den Ertrag aus ihrer Kapitallebensversicherung in der Steuererklärung als Einkünfte angeben.

Die gezahlte Abgeltungssteuer wird dann von der Steuerlast abgezogen. Damit unterliegt der Ertrag dem persönlichen Steuersatz.

Auch die oben erwähnten, staatlich geförderten Versicherungen, wie Riesterrente, müssen versteuert werden. Sie werden mit der Anlage R in der Steuererklärung erfasst.

 

Ist für eine Lebensversicherung Erbschaftssteuer zu bezahlen?

In Fällen von Erbschaft und Schenkung ist seit 2009 auf den vollen Betrag einer Kapitallebensversicherung Steuer zu bezahlen.

Die Steuerlast greift aber nur, wenn das Erbe die persönlichen Freibeträge der erbenden Person übersteigt.

Für Ehepartner liegt der Freibetrag bei 500.000 Euro und für Kinder bei 400.000 Euro, so dass nahe Verwandte in den meisten Fällen nicht von der Erbschaftssteuer auf die Lebensversicherung betroffen sind.

 

Fazit

Beiträge der klassischen Kapitallebensversicherung sind in der Steuererklärung nicht mehr absetzbar. Bei Auszahlung einer Lebensversicherung wird eine Abgeltungssteuer erhoben.

Das ist besonders interessant für Personen, deren Steuersatz deutlich höher ist als der Satz für die Abgeltungssteuer auf die Lebensversicherung.

Seit 2017 gilt der individuelle Steuertarif. Auf eine Lebensversicherung ist Erbschaftssteuer zu bezahlen, sofern die Erbmasse den Rahmen der Freibeträge übersteigt.

  • Updated 22. Dezember 2017