Kapitallebensversicherung beleihen

Eine Beleihung der Lebensversicherung ist möglich und in manchen Fällen die bessere Alternative zum Verkauf. Wer einen dringendem Geldbedarf hat und gleichzeitig eine Lebensversicherung angespart, sollte eine Beleihung in seine Überlegungen einbeziehen.

Sie ist unkompliziert, eine ausführliche Bonitätsprüfung nebst Schufaauskunft fällt in fast allen Fällen weg, und die Kosten liegen häufig deutlich unter denen normaler Kredite.

Vor allem Selbstständige und Existenzgründer können von diesen Vorteilen profitieren. Andererseits bleibt die Lebensversicherung erhalten, was vor allem für die Absicherung im Todesfall für viele bedeutet ist.

Eine andere, in den vorgenannten Fällen eher theoretische, Möglichkeit ist die Stilllegung der Lebensversicherung und die Verwendung der dadurch frei werdenden monatlichen Beitragszahlungen zur Deckung des Kapitalbedarfs.

Beleihung nicht bei jeder Versicherung

Reine Risikolebensversicherungen, Direktversicherungen und besondere Rentenprodukte können nicht beliehen werden.

Das Gleiche gilt für bereits beitragsfrei gestellte Lebensversicherungen. Fondsgebundene Lebensversicherungen werden nur von einigen Anbietern beliehen.

Wer eine klassische Kapitallebensversicherung beleihen möchte, wird hingegen keine Schwierigkeiten haben, sofern ein Rückkaufswert in einer bestimmten Höhe bereits angespart ist. Akzeptiert werden Rückkaufswerte manchmal schon ab 1.000 €. Die Regel sind aber 5.000 € und etwas darüber.

In seltenen Fällen kann der gesamte Rückkaufswert flüssig gemacht werden. Meistens werden jedoch nur 70 % bis 80 % des Rückkaufswertes ausgezahlt.

 

Kapital Lebensversicherung beleihen, wie geht das?

Eine Kapital Lebensversicherung beleihen, das kann man auf zwei unterschiedlichen Wegen. Möglich ist die Aufnahme eines so genannten Policendarlehens, auch Policenkredit genannt oder die Vereinbarung eines normalen Bankdarlehens, welches durch eine Lebensversicherung besichert wird.

Policenkredit

Bei einem Policendarlehen handelt es sich nicht eigentlich um einen Kredit, sondern um eine Vorauszahlung der Versicherungsleistung.

Man leiht sich praktisch sein eigenes Geld, welches man bereits in die Lebensversicherung investiert hat, zuzüglich möglicher beim Rückkaufswert berücksichtigter Gewinnanteile.

Der Policenkredit wird entweder vom Lebensversicherer ausgegeben oder von einem Anbieter auf dem Zweitmarkt. Eine Beleihung auf dem Zweitmarkt ist in der Regel günstiger. Die Beleihungsgrenze ist höher und die Kreditzinsen sind niedriger.

Bevor man sich entschließt seine Kapitallebensversicherung zu beleihen, ist die Einholung mehrerer Angebote und deren Vergleich empfehlenswert.

Bei einem Policenkredit wird der ausgezahlte Betrag grundsätzlich durch Verrechnung der Ablaufleistung bei Vertragsende beglichen. Die Konstruktion ist dieselbe wie bei einem endfälligen Darlehen. Während der Laufzeit werden lediglich die Zinsen gezahlt.

Das Policendarlehen wird aber sehr flexibel gehandhabt. Ebenso möglich sind eine regelmäßige Tilgung in Höhe vereinbarter Raten, Sondertilgungen während der Laufzeit oder die vorzeitige vollständige Rückzahlung.

Beitragszahlungen für die Zeit der Beleihung

Für die Beitragszahlungen während des Policenkredits bestehen drei Varianten. Der einfachste Weg ist, die Lebensversicherung beitragsfrei stellen zu lassen.

Dadurch verringern sich aber die Ablaufleistung und der Todesfallschutz. Natürlich ist es auch möglich, die Beiträge wie bisher zu entrichten, den Lebensversicherungsvertrag also normal weiterlaufen zu lassen.

Schließlich kann man die Prämien aus dem Darlehen finanzieren. Diese Variante kommt in Betracht, wenn eine Bank eingeschaltet wird, die einen durch die Lebensversicherung abgesicherten Kredit vergibt.

Bei dieser Variante führt die Bank den Versicherungsvertrag während der Kreditlaufzeit normal weiter. Ablaufleistung und Todesfallschutz bleiben in vollem Umfang erhalten, aber die Kreditsumme erhöht sich, bei kleineren Krediten teilweise um einen erheblichen Prozentsatz der ausgezahlten Darlehenssumme.

 

Mit einer Lebensversicherung besicherter Bankkredit

Hier handelt es sich um ein normales Darlehen, bei denen das Kreditausfallrisiko durch Übergabe der Versicherungspolice an die Bank abgesichert wird. Rechtlich tritt der Versicherungsnehmer seine Ansprüche an der Lebensversicherung ab, seltener wird die Lebensversicherung verpfändet.

Da die Bank ihre Ansprüche zu 100 % aus der Lebensversicherung befriedigen kann, sind besondere Bonitätsprüfungen oder weitere Sicherheiten erforderlich. Die Kreditkonditionen sind häufig günstiger als bei Darlehen ohne Beleihung einer Lebensversicherung.

 

Charakter der Zinszahlungen

Bei einem besicherten Bankdarlehen ergeben sich für die Zinszahlungen keine Besonderheiten. Bei einem Policenkredit im engeren Sinne sind die Kreditzinsen erhöhte Beitragszahlungen, da das Policendarlehen eine Vorauszahlung auf die Ablaufleistung darstellt.

Demzufolge handelt es sich um eine Nichtzahlung von Versicherungsbeiträgen, wenn die Zinsen für den Policenkredit nicht ordnungsgemäß bedient werden. Die Folge ist ein Kündigungsrecht des Lebensversicherers.

 

Policendarlehen steuerschädlich?

Durch die Beleihung der Lebensversicherung in Form eines Policendarlehens kann eine Steuerpflicht für Erträge aus der Lebensversicherung entstehen.

Ob das eintritt, hängt von den Umständen des Einzelfalles ab. Policenkredite über einen Betrag in Höhe von zurzeit 25.565 € werden dem Finanzamt angezeigt.

  • 4. Januar 2012